Corona-Variante Omikron:Kopfschütteln am Kap

Lesezeit: 2 min

Corona-Variante Omikron: Covid-Test am internationalen Flughafen Johannesburg.

Covid-Test am internationalen Flughafen Johannesburg.

(Foto: Phill Magakoe/AFP)

Wegen der neuen Virusvariante Omikron stoppen viele Länder jetzt den Flugverkehr aus Südafrika. Doch die Beschränkungen lassen sich umgehen - und viele Südafrikaner sehen ihr Land ungerecht behandelt.

Von Bernd Dörries, Kapstadt

"Die Zahlen sind über Nacht explodiert", sagt der Mann am Schalter von Ethiopian Airlines. Der Flug von Kapstadt nach Addis Abeba am Freitag war eigentlich nur mäßig gebucht, was sich schnell änderte, als die britische Regierung beschloss, den direkten Flugverkehr nach Südafrika einzustellen, wegen der neuen Corona-Variante Omikron. Es ist eine Vorsichtsmaßnahme, die sich leicht umgehen ließ. Tausende Briten buchten Flüge mit Ethiopian Airlines oder den großen Gesellschaften vom Golf und flogen nun eben über die Emirate oder Äthiopien nach Hause. Die meisten von ihnen fliehen eher nicht vor der neuen Variante - sondern fliegen, so lange es noch Flüge gibt.

Südafrika steht zwar vor dem Beginn der vierten Welle, in der Urlaubsregion rund um Kapstadt wurden am Samstag aber nur 121 neue Fälle gemeldet. Viele Südafrikaner reagieren deshalb mit großem Unverständnis auf die Beschränkungen aus Europa, die von Ländern wie Deutschland ausgesprochen werden, wo das Virus fast unkontrolliert wütet. In Südafrika sind die Beschränkungen des öffentlichen Lebens auch größer als in vielen europäischen Ländern: In der Öffentlichkeit herrscht Maskenpflicht, größere Veranstaltungen sind nicht erlaubt.

"Sie wurde nur hier entdeckt"

Vor allem für die Tourismusindustrie sind die Reisebeschränkungen ein harter Schlag. In Südafrika beginnt gerade die Hochsaison, zum ersten Mal seit dem Beginn der Pandemie waren die Buchungen wieder gestiegen. Präsident Cyril Ramaphosa nannte die Einschränkungen "ungerechtfertigt" und "unfair". Einer der Wissenschaftler, die die Entdeckung am Donnerstag öffentlich gemacht hatten, sagte, dass Südafrika für seine Transparenz "bestraft" werde. "Nur weil wir hier und sehr schnell diese Variante identifiziert haben, heißt das nicht, dass die Variante aus Südafrika stammt. Sie wurde hier nur entdeckt", sagte Tulio de Oliveira, der Chef des Genomforschungsinstituts Krisp.

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Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat bisher davon abgeraten, Reisebeschränkungen für das südliche Afrika einzuführen, erst müsse das Virus besser verstanden werden. Dennoch haben mittlerweile Dutzende Länder von Israel bis Singapur genau das getan. "Das ist eine Kurzschlussreaktion, aber mit einem so starken Schneeballeffekt", sagte Richard de la Rey von Dark Giraffe Marketing, einem Veranstalter von Safaris und Strandurlauben in Mosambik, Tansania und Südafrika, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. "Niemand weiß irgendetwas über diese Variante, und sie nehmen einfach das Schlimmste an", schimpfte er. Reiseveranstalter wie er werden gerade von Stornierungen überrollt, viele der etwa 700 000 Jobs in der Tourismusbranche sind gefährdet. "Es scheint, dass wir und der afrikanische Kontinent im Allgemeinen der Sündenbock sind."

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