BürgerkriegKommission: Gewalt im Sudan deutet auf Völkermord hin

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Eine sudanesische Mutter flieht mit ihrem Kind vor den Kämpfen zwischen der RSF und der sudanesischen Armee.
Eine sudanesische Mutter flieht mit ihrem Kind vor den Kämpfen zwischen der RSF und der sudanesischen Armee. Amr Abdallah Dalsh/REUTERS
  • Eine unabhängige Untersuchungskommission sieht in den Gewalttaten der RSF-Miliz im Sudan Merkmale eines Völkermords an nicht-arabischen Bevölkerungsgruppen.
  • Die Verbrechen in Al-Faschir waren laut Kommission Teil einer geplanten Operation mit gezielten Angriffen auf ethnische Gruppen wie die Zaghawa.
  • Nach der Eroberung Al-Faschirs könnten mindestens 60 000 Menschen getötet worden sein, schätzt das Humanitarian Research Lab der Yale-Universität.
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Die Verbrechen in der Großstadt al-Faschir durch die RSF-Miliz seien „Teil einer geplanten und organisierten Operation, die die Merkmale eines Völkermords aufweist“, sagt der Vorsitzende der unabhängigen Untersuchungskommission.

Die Gewalttaten der Rapid Support Forces (RSF) im Sudan deuten nach Ansicht einer internationalen Untersuchungskommission auf Völkermord hin. Zu den Merkmalen zählten willkürliche Tötungen einer ethnischen Gruppe, das Verursachen von körperlichem und seelischem Leid sowie das Schaffen von Lebensbedingungen mit dem Ziel der Vernichtung der Menschen, bilanziert die von den Vereinten Nationen eingesetzte unabhängige Kommission.
Der Bericht bezieht sich auf die RSF und ihr Vorgehen gegen nicht arabische Bevölkerungsgruppen. Die RSF kämpfen gegen die reguläre Armee.

Die um die Großstadt al-Faschir in der sudanesischen Region Nord-Darfur begangenen Verbrechen seien keine willkürlichen Kriegsausbrüche gewesen, sagte Mohamed Chande Othman, Vorsitzender der Untersuchungskommission. „Sie waren Teil einer geplanten und organisierten Operation, die die Merkmale eines Völkermords aufweist.“

Dem Bericht zufolge fanden die Ermittler Beweise für ein koordiniertes Vorgehen ‌der RSF. Die Angriffe ‌hätten sich gezielt gegen Personen aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit gerichtet.
Überlebende berichteten von expliziten Drohungen, die Stadt zu „säubern“. Zeugen zitierten RSF-Kämpfer mit den Worten: „Gibt
es hier Zaghawa unter euch? Wenn wir Zaghawa finden, werden ‌wir sie alle töten.“

Feuer und Rauch im Zamzam-Lager nahe der belagerten Stadt al-Faschir in der Region Darfur.
Feuer und Rauch im Zamzam-Lager nahe der belagerten Stadt al-Faschir in der Region Darfur. -/AFP

Der Einnahme von al-Faschir sei eine 18-monatige Belagerung vorausgegangen, die die Bevölkerung systematisch durch Hunger, Entbehrung, Traumatisierung und Gefangenschaft geschwächt habe.
Die gezielte Vergewaltigung und Verfolgung von Frauen und Mädchen der afrikanischen Volksgruppen Zaghawa und Fur, während Frauen, die als Araberinnen wahrgenommen würden, oft verschont blieben, unterstreiche den diskriminierenden und zerstörerischen Zweck dieser Gewalt, hieß es.

Das Humanitarian Research Lab der US-Universität Yale, das mithilfe von Satellitenaufnahmen forensische Untersuchungen des Konflikts betreibt, geht davon aus, dass in den Wochen nach der Eroberung al-Faschirs mindestens 60 000 Menschen getötet worden sein könnten.

Im Sudan kämpfen seit April 2023 die reguläre Armee und die RSF um die Macht. Auch der sudanesischen Armee werden Kriegsverbrechen vorgeworfen, etwa Bombardements auf zivile Ziele. Die UN bezeichnen die Lage als größte humanitäre Krise der Welt.

© SZ/dpa/Reuters/amsc - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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