Im Sudan sind am Montag und Dienstag nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen mindestens 127 Menschen getötet worden, darunter vor allem Zivilisten. Der Konflikt zwischen der Armee und den paramilitärischen Schnellen Unterstützungskräften (RSF) eskalierte zuletzt weiter, nachdem die Bemühungen um einen Waffenstillstand ins Stocken geraten waren.
Die Armee verstärkte ihre Luftangriffe auf von den RSF kontrollierte Gebiete, während die RSF Artillerie einsetzte und Dörfer überfiel. Am Montag trafen Fassbomben den Markt in der Stadt Kabkabiya, erklärte das prodemokratische Al-Faschir-Widerstandskomitee. Andere Gruppen sprachen von mehr als 100 Toten. Auf Bildern waren ein Massengrab und zerstörte Marktstände zu sehen.
Am Dienstag griffen die RSF einen von der Armee kontrollierten Sektor in Omdurman an, wie Einwohner berichteten. Dabei kamen mindestens 20 Menschen ums Leben, darunter 14 in einem Bus. Insgesamt meldete die Armee 65 Tote.
Die Regierung des betroffenen Bundesstaates Khartum steht auf der Seite des De-facto-Machthabers Abdel Fattah al-Burhan. Dessen Truppen liefern sich seit April 2023 einen blutigen Machtkampf mit den paramilitärischen RSF seines früheren Stellvertreters Mohamed Hamdan Daglo und verbündeten arabischen Milizen. Beiden Seiten – aber besonders der RSF – werden schwere Menschenrechtsverletzungen, sexualisierte Gewalt und willkürliche Erschießungen von Zivilisten vorgeworfen. Den RSF werden auch ethnische Vertreibungen in der Region Darfur zur Last gelegt.
Durch den Konflikt sind nach UN-Angaben etwa zwölf Millionen Menschen vertrieben worden und innerhalb des Sudans oder in den Nachbarstaaten auf der Flucht. Auch droht in Teilen des Landes eine Hungersnot. Der Sudan hat etwa 50 Millionen Einwohner, nach Angaben der Vereinten Nationen sind mehr als 30 Millionen Menschen dort auf Hilfe angewiesen.

