AfrikaEin Vierergespann will den Sudan aus dem Krieg ziehen

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Die größte Vertreibungskrise der Gegenwart: In Darfur herrscht erneut eine Hungersnot - Schlange vor der Essenausgabe in einem Flüchtlingscamp in der Nähe der Stadt Tawila im Westen des Sudan.
Die größte Vertreibungskrise der Gegenwart: In Darfur herrscht erneut eine Hungersnot - Schlange vor der Essenausgabe in einem Flüchtlingscamp in der Nähe der Stadt Tawila im Westen des Sudan. (Foto: AFP)
  • Die USA haben mit Ägypten, Saudi-Arabien und den UAE eine neue Initiative gestartet, um den seit zweieinhalb Jahren tobenden Krieg im Sudan zu beenden.
  • Das Quad-Bündnis fordert eine dreimonatige Waffenruhe und schließt eine militärische Lösung aus, wobei zivile Kräfte den politischen Übergang anführen sollen.
  • Die Initiative stößt auf Widerstand bei General al-Burhans Armee, da sie islamistische Gruppen ächtet und das RSF-Lager zu begünstigen scheint.
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Die USA führen eine neue Initiative, um das Morden im Sudan zu beenden, sie soll einflussreiche arabische Staaten einbinden. Das ist eine Chance. Aber werden die Kriegsparteien darauf eingehen?

Von Arne Perras, München

Als Quad verkaufen Fahrzeughändler ein vierrädriges Gefährt, das schwieriges Gelände bewältigt und die Kraft hat, Hindernisse zu überwinden. Es bleibt nicht gleich in jedem Schlagloch stecken, ackert sich weiter durch den Morast. In der internationalen Diplomatie gibt es das Quad ebenfalls, hier bezeichnet es meist ein Vierergespann aus Staaten oder Institutionen, die entschieden haben, ihre Kräfte zu bündeln und gemeinsam voranzugehen.

Im jüngsten Fall hat es die Welt mit einem Quad für den Brandherd Sudan zu tun: Washington hat sich mit drei arabischen Ländern zusammengespannt, mit Ägypten, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (UAE). Diese Gruppe hat sich öffentlich Mitte September auf eine Reihe von Prinzipien verpflichtet, auf deren Basis der Krieg und das Morden im Sudan gestoppt werden soll. Friedensplan ist wohl ein zu großes Wort dafür. Aber nach langem Stillstand ist es ein Schritt, der neue Bewegung bringen könnte. Ob sich das politische Vehikel Quad als leistungsfähig erweist, wird im Konfliktmanagement der Staaten gerade ausgetestet.

Die größte Vertreibungskrise der Gegenwart erzeugt selten Aufmerksamkeit

Seit zweieinhalb Jahren tobt der Krieg zwischen zwei großen Armeen und jeweils verbündeten Milizen im Sudan. Es ist ein Konflikt, der von der Spitzendiplomatie bisher marginalisiert wurde, was in krassem Widerspruch zum Ausmaß der Gewalt steht. Zehntausende, womöglich Hunderttausende sind schon gestorben im Sudan, exakte zahlen sind schwer zu erheben. Unbestritten hat sich im Sudan die größte Vertreibungskrise der Gegenwart entwickelt, wie die Vereinten Nationen beklagen. Hungersnöte breiten sich aus.

Wird Quad also die Wende bringen? Unter Diplomaten hört man, die Initiative habe „ein gewisses Momentum“ geschaffen, das es zu nutzen gelte. Der Vorstoß mündete diese Woche in hochrangige Gespräche während der UN-Generalversammlung in New York, man redet wieder über Sudan, frühere Initiativen waren schnell verpufft.

Am Donnerstag haben mehrere westliche Staaten, darunter Deutschland, die EU und die Afrikanische Union in einer Erklärung die sudanesischen Kriegsparteien dazu aufgefordert, „direkte Gespräche für eine permanente Waffenruhe aufzunehmen“. Diese Staaten unterstützen die Quad-Initiative, deren wichtigste Festlegung wohl darin besteht, dass es keine militärische Lösung für den Konflikt geben kann und dass die Sudanesinnen und Sudanesen selbst darüber zu befinden haben, wie das Land künftig regiert wird. Ein politischer Übergang soll demnach von zivilen Kräften angeführt werden, nicht kontrolliert von irgendeiner Kriegspartei. De facto würde die Umsetzung solcher Prinzipien darauf hinauslaufen, die kämpfenden Parteien von der Macht auszuschließen.

Als Vorteil der neuen Initiative wird von Fachleuten gesehen, dass erstmals vier Länder, die großes Gewicht und starke Interessen im Sudan haben, sich jetzt offenbar darauf verständigen, an einem Strang zu ziehen. Bisher war das nie gelungen. Und entscheidend wird sein, ob sie auch tun, was sie ankündigen, um Druck auf die kämpfenden Fraktionen zu machen.

Die UAE unterstützen die Rapid Support Forces (RSF) bislang finanziell, logistisch und laut UN-Erkenntnissen auch mit modernen Waffen, was die UAE abstreitet. Weitere Waffenlieferungen untergraben jeden Prozess, der die Kämpfe stoppen soll.

In Darfur wird die Stadt El Fasher seit Monaten belagert

Die RSF ist eine vom früheren Regime geschaffene Eingreiftruppe, die der Milizenführer Mohamed Hamdan Dagalo kommandiert. Er kämpft gegen die klassische Armee Sudanese Armed Forces (SAF) und verbündete Milizen, angeführt werden die SAF von General Abdel Fattah al-Burhan und gestützt vor allem von Ägypten. Gelingt es Amerikanern und Saudis, Kairo und Abu Dhabi – diese beiden Paten der unterschiedlichen Lager im Sudan – auf eine Linie einzuschwören, wäre das aus Sicht von Analysten ein deutlicher Schritt nach vorn, auch um die humanitäre Hilfe zu verbessern.

Die Hauptlast des Krieges trägt die Zivilbevölkerung, das Leben wird zum Martyrium, wie in El Fasher im Westen des Landes. RSF-Milizen belagern die Stadt in Darfur seit Monaten, Bewohner stecken in der Falle. Bleiben sie, verhungern sie. Fliehen sie, drohen Erschießungen, Folter, sexuelle Gewalt.

Die Quad-Initiative will eine dreimonatige Waffenruhe erwirken, die in einen unbefristeten Waffenstillstand münden soll. Sie ächtet explizit die Muslimbrüder und islamistische Gruppen, was dazu führte, dass das Lager von General al-Burhan bisher kühl bis ablehnend auf die Quad-Initiative reagierte. Islamistische Kräfte waren beteiligt, als die SAF Khartum und andere Gebiete von der RSF zurückeroberten. In der Armee ist man der Ansicht, dass sie an einer künftigen Regierung beteiligt sein müsste, der Quad-Vorstoß begünstigt aus ihrer Sicht Hemeti und dessen mächtigen Paten UAE.

Auch deshalb herrscht Skepsis, ob der Druck ausreicht, direkte Gesprächen zwischen RSF und SAF zu erzwingen. Das Problem hat auch eine starke persönliche Dimension: Das Misstrauen zwischen Hemeti und al-Burhan ist gewaltig. Beide sind davon überzeugt, dass der jeweils andere versucht hat, den Erzrivalen umzubringen. Schwierig, so an einen Tisch zu kommen.

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