Sudan:Ministerpräsident nach Militärputsch freigelassen

Sudan: Ministerpräsident Abdullah Hamdok

Sudans Ministerpräsident Hamdok befindet sich nach dem Militärputsch wieder in seinem Haus, wird dort aber schwer bewacht. (Archivbild)

(Foto: AP/AP)

Abdalla Hamdok sei in sein Haus zurückgebracht worden und werde zusammen mit seiner Frau schwer bewacht, heißt es. US-Außenminister Blinken konnte wohl bereits mit ihm telefonieren.

Das sudanesische Militär hat Ministerpräsident Abdallah Hamdok freigelassen. Nach Angaben seiner Mitarbeiter sei der Politiker in sein Haus zurückgebracht worden. Er sei dort zusammen mit seiner Frau und werde schwer bewacht, gab das Büro Hamdoks in einer Mitteilung auf der Facebook-Seite des Informationsministeriums in der Nacht zum Mittwoch bekannt. Es ist unklar, wie frei sich Hamdok bewegen kann.

Das Militär hatte am Montag den Ausnahmezustand über das nordostafrikanische Land verhängt. Es kündigte zudem die Auflösung der Regierung und des Souveränen Rates an, der bislang den Übergang zur Demokratie leitete. Der Ministerpräsident und die meisten Regierungsmitglieder wurden festgenommen. Während Hamdock nun offenbar freigekommen ist, bleiben die anderen am Montag Festgenommenen dem Nachrichtensender Al-Dschasira zufolge an einem unbekannten Ort unter Hausarrest.

Der US-amerikanische Außenminister Antony Blinken konnte nach Angaben seiner Mitarbeiter bereits mit Hamdok telefonieren. Blinken begrüßte die "Freilassung", wie der Sprecher des Ministeriums, Ned Price, mitteilte.

Die Botschafter Deutschlands, der EU, der USA und anderer Länder fordern nun ein Treffen mit dem entmachteten Ministerpräsidenten. Man habe die Rückkehr Hamdoks nach Hause zur Kenntnis genommen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der EU-Delegation sowie der Botschaften Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens, der USA und anderer Länder. Man erkenne Hamdok weiterhin als Regierungschef an und fordere die sofortige Freilassung rechtswidrig festgesetzter Minister und Vertreter der Zivilgesellschaft.

Zuvor hatte der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) die Machtübernahme der Streitkräfte erneut verurteilt. "Der Militärputsch ist eine katastrophale Entwicklung", erklärte Maas in einer Mitteilung des Auswärtigen Amts. Das sudanesische Militär habe "nicht nur Premierminister Hamdok und andere unrechtmäßig festgesetzt, sondern auch Gewalt gegen jene eingesetzt, die gestern für Demokratie in Sudan auf die Straße gegangen sind."

Zudem warnte Maas vor gravierenden Folgen für das internationale Engagement in dem Land, das Deutschland in den vergangenen Jahren maßgeblich unterstützt und koordiniert habe. "Der Putsch entzieht diesem Engagement die Grundlage. Deutschland wird seine Unterstützung unter diesen Bedingungen nicht fortsetzen", so der Außenminister. Um gemeinsam vorzugehen, stimme er sich eng mit seinen Partnern ab.

Die USA haben bereits ihre Entwicklungshilfezahlungen eingestellt

Die USA haben bereits Hilfen in Höhe von 700 Millionen US-Dollar vorläufig eingestellt. Auch der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell drohte im Namen der 27 Mitgliedstaaten schwerwiegende Folgen für das Engagement der Europäischen Union in dem Land an. "Dieser Versuch, den Übergang des Sudans zur Demokratie zu untergraben, ist inakzeptabel", hieß es in Borrells Erklärung. "Nach Jahrzehnten autoritärer Herrschaft und repressiver Diktatur muss das legitime Recht des sudanesischen Volkes auf eine bessere Zukunft unter Achtung von Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechten und Demokratie, einschließlich der Wahl einer zivilen Regierung, geachtet werden."

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