Nach Putsch Sudanesisches Militär und Opposition suchen nach Regierung

Demonstranten vor dem Verteidigungsministerium in Khartum.

(Foto: REUTERS)
  • Im Sudan hat nach monatelangen Demonstrationen die Armee den autokratisch regierenden Machthaber al-Baschir am Donnerstag zum Rücktritt gezwungen.
  • Nun verhandeln Militär und Opposition um eine Übergangsregierung.
  • Als Zugeständnis erklärt das Militär, der künftige Ministerpräsident solle ein von allen Parteien ausgesuchter Experte sein - der Präsident aber aus dem Militär.
  • Demonstranten wollen jedoch erreichen, dass der militärische Übergangsrat die Macht an Zivilisten abgibt.

Nach dem Militärputsch im Sudan bemühen sich die Generäle in Gesprächen mit Vertretern der Opposition, eine gemeinsame Übergangsregierung zu bilden. Am Donnerstag hatte das Militär Langzeitherrscher Omar al-Baschir gestürzt, dennoch kehrt keine Ruhe ein im Sudan. Demonstranten wollen erreichen, dass der militärische Übergangsrat die Macht an Zivilisten abgibt.

Als Zugeständnis erklärte das Militär nun, der Ministerpräsident der neuen Regierung solle ein von allen Parteien ausgesuchter Experte sein. Der Präsident hingegen soll aus den Reihen der Streitkräfte kommen, sagte eine Armeesprecher nach zweitägigen Gesprächen auf einer Pressekonferenz. Er versprach, das Militär werde nicht gegen die Demonstranten vor seinem Hauptquartier vorgehen.

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"Der Ball liegt jetzt bei den politischen Kräften", sagte der Sprecher. Der Militärrat fordert Vorschläge der Opposition innerhalb einer Woche. Die wichtigste Protestgruppe, die Gewerkschaft SPA, kündigte an, dem nachzukommen. Sie unterstrich aber zugleich, dass die Macht umgehend an eine Zivilregierung übergeben werden müsse. Bis die "Ziele der Revolution" erreicht seien, würden die Proteste fortgesetzt.

Der Führer der oppositionellen Kongresspartei hatte schon am Samstag die Auflösung der Nationalen Kongresspartei al-Baschirs gefordert. "Wir verlangen den Umbau des Sicherheitsapparates", sagte Omer al-Digair. "Wir brauchen keinen Sicherheitsapparat, der Leute verhaftet und Zeitungen schließt."

Auch die Streitkräfte wollen nicht, dass die Partei al-Baschirs sich an der geplanten Übergangsregierung im Sudan beteiligt. Die Nationale Kongresspartei könne sich aber bei den nächsten Wahlen erneut bewerben, erklärte ein Sprecher des militärischen Übergangsrats.

Nach monatelangen Demonstrationen hatte die Armee den seit 30 Jahren autokratisch regierenden Machthaber Omar al-Baschir am Donnerstag zum Rücktritt gezwungen. Anschließend erklärte das Militär, es selbst werde den Sudan in einer Übergangszeit von zwei Jahren regieren. Am späten Sonntagabend kündigte der Rat eine ganze Reihe von Personalentscheidungen an, darunter die Versetzung von Awad Ibn Auf in den Ruhestand. Der bisherige Verteidigungsminister Awad Ibn Auf hatte sich zum Militärherrscher aufgeschwungen. Die Demonstranten wandten sich jedoch gegen den langjährigen Weggefährten al-Baschirs.

Der 75-jährige al-Baschir steht nach Militärangaben unter Hausarrest und wird vom Internationalen Strafgerichtshof wegen Kriegsverbrechen in der Region Darfur gesucht. Das Militär erklärte, es wolle ihn nicht ausliefern, sondern ihm im Sudan den Prozess machen.

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