SudanUN: Ausmaß der Gräuel in al-Faschir zeichnet sich immer deutlicher ab

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Vertriebene Kinder und Familien aus al-Faschir in einem Flüchtlingslager, in dem sie Zuflucht vor den Kämpfen zwischen Regierungstruppen und den RSF gesucht haben.
Vertriebene Kinder und Familien aus al-Faschir in einem Flüchtlingslager, in dem sie Zuflucht vor den Kämpfen zwischen Regierungstruppen und den RSF gesucht haben. (Foto: Mohammed Jammal/AP)

Bei der Einnahme der Stadt soll es willkürliche Hinrichtungen, Massenmorde, Vergewaltigungen, Plünderungen und Vertreibung geben. Laut UN sind auch auf Videos und Fotos schockierende Aufnahmen schwerer Verstöße gegen das Völkerrecht dokumentiert.

Das Ausmaß der Gräueltaten bei der Einnahme der sudanesischen Stadt al-Faschir durch die RSF-Miliz wird laut den Vereinten Nationen immer deutlicher. Menschen, die aus der Stadt fliehen konnten, berichteten von willkürlichen Hinrichtungen, Massenmorden, Vergewaltigungen, Angriffen auf humanitäre Helfer, Plünderungen, Entführungen und Vertreibung, teilte das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte am Freitag mit. Zudem zeigten Videos und Bilder schockierende Aufnahmen schwerer Verstöße gegen das Völkerrecht.

Auch sei in der Hauptstadt des Bundesstaates Nord-Darfur die Telekommunikation unterbrochen und die Lage chaotisch. Vor mehr als einer Woche waren die Milizionäre nach anderthalbjähriger Belagerung in al-Faschir eingedrungen und hatten das Militär vertrieben. Hunderttausende Menschen, die über Monate von Hilfe abgeschnitten waren, sind der Willkür und Gewalt der RSF ausgeliefert.

Die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Serap Güler (CDU), forderte mehr internationale Aufmerksamkeit für die Opfer des Krieges im Sudan. „Wir müssen genauer hinschauen“, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland nach einer Reise in das nordostafrikanische Land. „Die beiden Konfliktparteien hatten zu lange das Gefühl, dass sie tun und lassen können, was sie wollen.“ Die sudanesische Armee und die paramilitärische RSF-Miliz müssten zu einem Waffenstillstand gedrängt werden.

Der eskalierte Machtkampf zwischen Armee und RSF hat seit 2023 zu einer der schlimmsten Hunger- und Vertreibungskrisen weltweit geführt, mit Zehntausenden Toten, fast 25 Millionen Hungernden und mehr als zwölf Millionen Menschen, die vor der Gewalt geflohen sind.

Nach dem Fall von al-Faschir herrschen Chaos und Brutalität

Laut dem UN-Menschenrechtsbüro könnten bei der Einnahme von al-Faschir Hunderte Menschen umgekommen sein. Kranke und Verletzte seien in Krankenhäusern getötet, Frauen in Flüchtlingslagern vergewaltigt und Beschäftigte von Hilfsorganisationen sowie Freiwillige gezielt umgebracht worden. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, forderte eine unabhängige Untersuchung der Gräueltaten sowie Maßnahmen der Länder mit Einfluss auf den Sudan, um die Gewalt zu stoppen.

„Die Lage ist einfach schrecklich“, sagte Martha Ama Akyaa Pobee, stellvertretende Generalsekretärin der Vereinten Nationen für Afrika, bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats in New York. „In der vergangenen Woche hat das UN-Menschenrechtsbüro schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen in und um al-Faschir dokumentiert. Dazu gehören glaubwürdige Berichte über Massenmorde an verschiedenen Orten und summarische Hinrichtungen während Hausdurchsuchungen und bei Fluchtversuchen von Zivilisten aus der Stadt“, sagte Pobee.

Da die Kommunikationswege unterbrochen sind und die Lage vor Ort unübersichtlich ist, sei es schwierig, die Zahl der getöteten Zivilisten zu schätzen. Die Realität sei, dass in al-Faschir aktuell niemand sicher ist. Es gebe keinen sicheren Weg für Zivilisten, die Stadt zu verlassen.

Die UN sowie Expertinnen und Experten werfen der internationalen Gemeinschaft seit Kriegsbeginn Untätigkeit vor und fordern mehr Geld für humanitäre Hilfe. So kritisierte die Konfliktforscherin Hager Ali vom Giga-Institut für Global- und Regionalstudien auch die Bundesregierung. Da der Konflikt weder die nationale Sicherheit noch die Migration direkt tangiere, wende Deutschland den Blick ab, sagte sie dem Evangelischen Pressedienst. Und auch mit Kritik gegenüber dem wichtigen Handelspartner Vereinigte Arabische Emirate, die den Krieg mit Waffenlieferungen befeuerten, hielten sich Deutschland und die USA zurück.

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SZ PlusVon Paul Munzinger

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