bedeckt München 20°

Suche nach Tätern:Chaotische Ermittlungen

Die Polizei hat Dutzende Verdächtige im Visier - und hat zwei Männer verhaftet. Offizielle Bestätigung: Auch Flüchtlinge unter Verdacht.

Von Kristiana Ludwig

Die Ermittlungen nach den sexuellen Übergriffen in der Kölner Silvesternacht gestalten sich zunehmend chaotisch. Am Vormittag wurden zwei mutmaßliche Trickdiebe festgenommen, die auch in der Silvesternacht am Bahnhof gewesen sein sollen. Bei den 16 und 23 Jahre alten Männern aus Marokko und Tunesien seien Handys sichergestellt worden, sagte ein Polizeisprecher. Aus Polizeikreisen hieß es, darauf sei Videomaterial mit "einwandfreien Bezügen" zu den Übergriffen gefunden worden. Außerdem sei ein Zettel mit arabisch-deutschen Übersetzungen von sexistischen Begriffen sichergestellt worden. Darunter Sätze wie: "Ich will Ficken".

Nach Angaben eines Polizeisprechers wurden die Männer auf dem Bahnhofsvorplatz aufgegriffen, bei ihnen sei auch Beute sichergestellt worden. Wenige Stunden später ließ die Staatsanwaltschaft die beiden wieder auf freien Fuß. Kein Tatverdacht, hieß es. Nach den sexuellen Übergriffen sind bei der Kölner Polizei mittlerweile mehr als 200 Anzeigen eingegangen. Eine Woche nach den Vorfällen haben die Behörden am Freitag erstmals Asylbewerber als Tatverdächtige bestätigt. Mit den Sexualdelikten konnten sie bisher nicht in Verbindung gebracht werden. Bei der für den Bahnhof zuständigen Bundespolizei sind, wie ein Sprecher des Bundesinnenministeriums mitteilte, bislang 32 namentlich bekannte Tatverdächtige festgestellt worden. Mindestens 22 davon sind Asylbewerber. Der Spiegel berichtet, dass die Ermittler einige in der Silvesternacht gestohlene Handys orten konnten, mitunter mit einer Spur in Flüchtlingsheime.

In Düsseldorf wurden mittlerweile mehr als 40 Anzeigen erstattet. Auch hier berichten Frauen von sexuellen Übergriffen, in fast allen Fällen in Verbindung mit Raub. Schon lange haben Ermittler einen Stadtteil beim Hauptbahnhof im Blick, den sie "Maghreb-Viertel" nennen. Hier habe sich ein Rückzugsraum für Taschendiebe, Räuber und Einbrecher gebildet.

© SZ vom 09.01.2016
Zur SZ-Startseite