Suche nach Helfern der Terrorzelle NSU Furchterregende Wirklichkeit

Einige Spuren scheinen in diesem Fall zu Rechtsradikalen in die Schweiz zu führen, aber dieser Eindruck ist auch nur eine der vielen Momentaufnahmen, nicht mehr. Andere Spekulationen, die am Mittwoch kursierten, taugen nicht mal für den Augenblick. Kolportiert wurde, dass deutsche Verfassungsschützer wahrscheinlich Augenzeugen des Mordes in Heilbronn gewesen seien. Das gehe aus einem angeblichen Observationsprotokoll eines realen amerikanischen Nachrichtendienstes hervor. Alle in Frage kommenden Behörden dementieren heftigst. Der in dem angeblichen Protokoll geschilderte Ablauf einer "Schießerei", hält einer Tatortanalyse nicht stand.

Die Wirklichkeit ist weit banaler, aber furchterregend ist sie auch: Allein in den Jahren 2009 und 2010 beschlagnahmten Ermittler bei Rechtsextremisten 811 Waffen. Darunter waren 15 Faustfeuerwaffen, 16 Langwaffen, sechs Kriegswaffen oder wesentliche Teile von Kriegswaffen und 40 Spreng-und Brandvorrichtungen. Diese Zahl geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor. Die Killer Böhnhardt und Mundlos hatten offenbar einen stetigen Bedarf nach Waffen. Darauf deutet auch die Festnahme des früheren NPD-Funktionärs Ralf Wohlleben hin, der verdächtigt wird, der Mörderbande 2001 oder 2002 eine Schusswaffe und Munition verschafft zu haben. Er soll damals das Schießgerät einem Kurier übergeben haben. Die Bundesanwaltschaft wirft Wohlleben unter anderem Beihilfe zu sechs Morden vor.

Die Waffe, so steht es im Haftbefehl, müsse "nicht ursächlich für die Morde" gewesen sein. Es reiche, wenn sie die "Handlungsmöglichkeiten" der Bande vergrößert habe. Ob es die russische Tokarew, die polnische Radom oder eine andere Waffe war, ist unklar. Die Ceska, Modell 83, war es nicht. Sie war schon 2000 die Mordwaffe in Nürnberg. Als Helfer der Bande in früher Zeit, also bis 2001, wäre Ralf Wohlleben wohl straffrei geblieben. Unterstützerhandlungen verjähren nach zehn Jahren. Die Beihilfe zum Mord erst nach zwanzig Jahren. Die furchtbaren Waffennarren hat er gut gekannt - und ihr Ende war entsprechend. Böhnhardt hielt im Tod eine Waffe in der Hand, aus der kein Schuss abgegeben worden war. Mundlos hatte ihn erschossen und sich dann selbst gerichtet. Und die Maschinenpistole, eine Pleter aus Kroatien, hatte Ladehemmung.