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Stuttgart:Acht Verdächtige nach Krawallen in Untersuchungshaft

Randale und Plünderungen in Stuttgart 2020

Gegenstände vor einem geplünderten Geschäft in der Marienstraße in Stuttgart.

(Foto: Simon Adomat/dpa)

Bei ihnen handelt es sich um Männer im Alter zwischen 16 und 33 Jahren. Ihnen wird unter anderem gefährliche Körperverletzung vorgeworfen, ein 16-Jähriger wird des versuchten Totschlags beschuldigt.

Nach den Krawallen in Stuttgart sitzen acht mutmaßliche Randalierer in Untersuchungshaft, einer von ihnen wegen Verdachts auf versuchten Totschlag. Ein Richter habe die beantragten Haftbefehle erlassen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Ein weiterer Haftbefehl war gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt worden.

Die Männer im Alter zwischen 16 und 33 Jahren besitzen laut Polizei die deutsche, kroatische, irakische, portugiesische und lettische Staatsangehörigkeit. Ihnen wird Landfriedensbruch vorgeworfen sowie gefährliche Körperverletzung, tätliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamte und Diebstahl in besonders schwerem Fall. 16 zunächst vorläufig festgenommene mutmaßliche Beteiligte wurden den Angaben zufolge wieder entlassen. Wegen versuchten Totschlags muss sich ein 16-Jähriger verantworten. Er soll während der Randale einem bereits am Boden liegenden Studenten gezielt gegen den Kopf getreten haben.

In der Nacht zum Sonntag waren Hunderte Menschen durch die zentrale Einkaufsstraße Stuttgarts gezogen, sie hatten Schaufenster zerstört und Geschäfte geplündert. Nach Angaben der Polizei waren 400 bis 500 Menschen an der Randale beteiligt.

Die grün-schwarze Landesregierung befasst sich am Dienstag mit den Hintergründen der Krawalle. Innenminister Thomas Strobl (CDU) wird seine Kabinettskollegen über die Geschehnisse informieren. Nach der Sitzung will Strobl gemeinsam mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Justizminister Guido Wolf (CDU) die Öffentlichkeit informieren.

"Vor allem muss die Frage gestellt werden, woher die Wut der Jugendlichen kam, die sich dort Bahn gebrochen hat", sagte die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Ulla Jelpke, der Neuen Osnabrücker Zeitung. Die Debatte um Polizeigewalt und Rassismus werde nun überlagert von einer "Inszenierung der Polizei als Opfer", so Jelpke weiter. Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Mathias Middelberg, warnte indes davor, zwischen Polizeigewalt in Deutschland und den USA "unangemessene Parallelen" zu ziehen. Mit dem Vertrauen gehe die Hemmung verloren, und manche meinten, selbst gegen die Polizisten zurückschlagen zu dürfen, sagte Middelberg. "Die ideologische Stimmungsmache gegen unsere Polizei muss ein Ende haben."

Bundesinnenminister Horst Seehofer forderte harte Strafen für die Randalierer. "Da geht es auch um die Glaubwürdigkeit unseres Rechtsstaates", sagte der CSU-Politiker am Montag bei einem Ortsbesuch. Die Entwicklung vom Wochenende und auch in den Monaten zuvor sei ein "Alarmsignal für den Rechtsstaat", sagte Seehofer.

© SZ.de/dpa/jael/aner
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