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Krawalle in Stuttgart:Bundesinnenministerium verteidigt Stuttgarter Polizei

Entwicklung nach den Stuttgarter Krawallen

Bei der Krawallnacht von Stuttgart hatten Randalierer am 21. Juni Schaufenster zerstört und Geschäfte geplündert. Das ganze Ausmaß der Zerstörung wurde erst in den Tagen danach deutlich. (Archivbild)

(Foto: dpa)

Die Nachforschungen seien angemessen, sagt das Ministerium zur sogenannten Stammbaumforschung der Stuttgarter Polizei. Die will damit Tathintergründen und womöglich weiteren Verdächtigen der Krawallnacht in der Stadt auf die Spur kommen.

Die Stuttgarter Polizei erhält Rückendeckung vom Bundesinnenministerium. Dem Sprecher des Ministeriums, Steve Alter, zufolge waren die Nachforschungen der Polizei zur Herkunft der Verdächtigen angemessen, wenn sie der Verhinderung erneuter Gewaltexzesse dienten.

Die Stuttgarter Polizei hatte im Zusammenhang mit der Aufklärung der Stuttgarter Krawallnacht am 21. Juni bei Standesämtern die Nationalität der Eltern einiger Verdächtiger abgefragt, um herauszufinden, ob Tatverdächtige einen Migrationsintergrund haben. "Der familiäre Hintergrund kann besonders bei Jugendlichen und Heranwachsenden von Relevanz sein, wenn es darum geht, Strategien für die Prävention zu entwickeln", sagte Alter.

Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete und Innenexperte Armin Schuster hat das Vorgehen der Stuttgarter Polizei verteidigt. "Ich kann beim Vorgehen der Polizei Stuttgart keinen Fehler erkennen", sagte der Baden-Württemberger dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

"Soziologische Täteranalysen sind nach solchen Exzessen polizeilicher Standard. Wie soll die Polizei denn sonst zielgerichtete Strategien und Präventionsmaßnahmen für kommende Lagen entwickeln?" Schuster fügte hinzu: "Vielleicht halten sich einige politische Hobby-Sicherheitsexperten einfach mal zurück. Die andauernden rhetorischen Tritte linker Politiker gegen die Polizei werden immer mehr zum eigentlichen Sicherheitsrisiko."

Das Vorgehen der Stuttgarter Polizei hatte bundesweit heftige Kritik ausgelöst, nachdem die Polizei bestätigte hatte, im Einzelfällen auch das Umfeld der Verdächtigen und deren familiären Hintergrund zu beleuchten. Die Abfrage bei den Standesämtern nach der Nationalität der Eltern befähige dazu, weitere Tatverdächtige zu identifizieren und die Lebens- und Familienverhältnisse der bereits bekannten Verdächtigen umfassend festzustellen, teilte das Polizeipräsidium mit. Der Begriff "Stammbaumforschung" sei nicht korrekt. Politiker von SPD, Grünen, Linke und FDP hatten das Vorgehen scharf kritisiert.

In Stuttgart war es in der Nacht zum 21. Juni zu schwere Ausschreitungen gekommen. Randalierer hatten Schaufenster zerstört und Geschäfte geplündert. Nach Angaben der Polizei waren 400 bis 500 Menschen an den Randalen beteiligt. 32 Polizisten wurden verletzt. Von den inzwischen 39 ermittelten Verdächtigen sitzen 14 in Untersuchungshaft, sechs weitere Haftbefehle sind außer Vollzug gesetzt.

© SZ.de/dpa/hij
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Von Constanze von Bullion

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