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Demos gegen Gleichberechtigung sexueller Minderheiten:Werk eines christlich-konservativen Netzwerks

"Demo für alle". Das ist der Versuch, die französische "Manif pour tous" ins Deutsche zu übersetzen. Millionen gingen 2013 in Frankreich auf die Straße, um gegen die Homo-Ehe zu demonstrieren. Von derartigen Massen kann in Stuttgart nicht die Rede sein. Als offizielle Organisatorin firmiert Hedwig Freifrau von Beverfoerde im Namen der in Berlin angesiedelten "Initiative Familienschutz". Die Freifrau, Mitglied der CDU, beharrt darauf, es handle sich um eine überparteiliche Bewegung.

Die Demo ist offensichtlich das Werk eines deutschlandweiten christlich-konservativen Netzwerks und wird von der AfD unterstützt. Bei vielen Pietisten und Evangelikalen in Baden-Württemberg fällt die Botschaft auf fruchtbaren Boden. Auch am Sonntag beteiligten sich christliche Gruppen von CDU und CSU. "Ehe und Familie vor! Stoppt Gender-Ideologie und Sexualisierung unsere Kinder", lautete das Motto.

Zu den Rednern zählte der Vorsitzende der CDU-Mittelstandsvereinigung Rhein-Neckar, Malte Kaufmann, ein Mitglied des CDU-Landesvorstands. Grußworte schickten die CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Bareiß und Thomas Dörflinger, ebenso der katholische Weihbischof Thomas Maria Renz der Diözese Rottenburg/Stuttgart.

Kretschmann muss seine Autorität als Ministerpräsident und Katholik nutzen

Es demonstrierten Geistliche, von Gegendemonstranten im Namen des Regenbogens als "rechte Hetzer" gebrandmarkt. Eine derartige Konfrontation kann der Regierung nicht gefallen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat schon vor einem Jahr das Gespräch mit Vertretern von Evangelikalen und Pietisten gesucht, aber die Gemüter haben sich nicht beruhigt.

Deshalb muss Kretschmann weiterhin mit seiner Autorität als Ministerpräsident und Katholik versuchen, die Politik seiner Koalition zu erklären. Das Grundgesetz gebiete die Gleichstellung sexueller Minderheiten, sagt er. Und den Vorwurf, Grün-Rot reite allzu sehr auf sexuellen Themen herum, kontert er mit der Bemerkung, man befasse sich in der Frage nicht mit Sexualität, sondern mit Ontologie, der "Verfasstheit des Menschen". Aber natürlich weiß er, dass mit theoretischer Philosophie keine Wahlen zu gewinnen sind.

Kretschmann kommt der Begriff LSBTTIQ seelenlos vor

Und es ist kein großes Geheimnis, dass er zumindest mit Begriffen dieser Minderheitenpolitik Probleme hat. Zum Beispiel mit dem Wort "LSBTTIQ-Menschen", das seine Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) so gern verwendet. Es kommt ihm allzu seelenlos vor. Letztlich arbeitet Ministerin Altpeter aber nur den Koalitionsvertrag ab.

Wer lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell, transgender, intersexuell oder queer ist, eben LSBTTIQ, wird immer noch häufig zum Opfer von körperlicher und seelischer Gewalt. Deshalb der Aktionsplan, wie es ihn in anderen Bundesländern bereits gibt. Es geht vor allem um Beratung und Aufklärung. Altpeter hätte den Plan vergangene Woche gern in der Regierungspressekonferenz vorgestellt, doch Kretschmann wollte lieber die Botschaft loswerden, dass das Land viele neue Lehrer einstellt. Er musste dann doch vor allem Fragen nach der sexuellen Vielfalt beantworten.

© SZ vom 22.06.2015/cmy/rus
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