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Studie:Zustimmung junger Leute zu Europa wächst

EU Europa Jugendliche Zustimmung

Die Zustimmung junger Erwachsener für die EU ist im vergangenen Jahr gestiegen.

(Foto: Florian Peljak)
  • Die Zustimmung bei den Jugendlichen zur EU steigt wieder: 71 Prozent der Befragten einer Studie glauben, dass die Union eine gute Sache ist.
  • Gleichzeitig herrscht allerdings ein eher niedriges Vertrauen zu den Institutionen wie der Kommission oder dem Parlament.
  • Viele sehen im oft langwierigen politischen Prozess die Ursache für den Stillstand in ihren Ländern.

Europa feiert bei den Jungen ein Comeback. Ohne die EU ginge es nicht oder schlechter, so sehen das 71 Prozent der 16 bis 26 Jährigen in sieben europäischen Ländern. 71 Prozent - so viele sagen "Ja" zur EU, so viele würden bei einem Referendum gegen den Austritt ihres Landes aus der Union stimmen, das sind 10 Prozent mehr als 2017.

Die meisten "Ja"-Sager kommen nicht aus Deutschland, sondern aus Spanien. 85 Prozent heben hier den Daumen für die EU. Genauso sehr als "Europäer" wie als Deutscher, Franzose oder Pole verstehen sich 52 Prozent der Befragten, das ist ein Plus von 7 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr. Die Zustimmung zu Europa wächst.

Das sind die zentralen Ergebnisse der Jugendstudie "Junges Europa", die das Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag der Tui-Stiftung 2018 zum zweiten Mal durchgeführt hat. Das "Junge Europa" und seine Stärkung sind Gründungszwecke der Stiftung.

"Der Brexit hat wachgerüttelt"

Die Studie sagt aber auch: Das Mehr an Zustimmung und das Mehr an europäischer Identität heißt nicht mehr Gefühl für eine emotionale Heimat Europa. Die EU ist für die Jungen primär immer noch ein wirtschaftliches, kein politisches Bündnis. Jeder Zweite Jungeuropäer hält die Demokratie als Staatsform in seinem Land für reformbedürftig, 28 Prozent halten radikale Veränderungen für notwendig, einige sympathisieren mit populistischen Ideen.

6080 Jung-Europäer in den sieben EU-Mitgliedsländern Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, Großbritannien, Polen und Griechenland wurden online befragt, wie sie zur EU stehen, was sie von der Demokratie als Staatsform halten und womit sie sich ihre Meinung bilden.

"Es werde wieder über Stärken, Chancen, Errungenschaften und Kooperation als Lösung geredet", sagt Thomas Ellerbeck, Vorsitzender der Tui-Stiftung. Er glaubt: "Der Brexit hat wachgerüttelt."

Sicher ist, er hat ein klares Signal gesendet: die Bande zwischen den europäischen Länder lassen sich einfach nicht lösen, die Schicksale der Staaten sind miteinander verwoben, die Herausforderungen und Gefahren für ein Land allein sehr groß, für ein Land in der EU etwas kleiner. Als Top-Thema auf EU-Ebene sehen alle die Bekämpfung des Terrorismus (44 Prozent), es folgen der Umwelt- und Klimaschutz, die Regulierung der Einwanderung, auch Bildung und Forschung finden sie wichtig.

Gleichzeitig misstrauen die jungen Erwachsenen gerade den Behörden und Institutionen, die auf diesen Feldern arbeiten und nach Antworten suchen. Gerade einmal jeder Dritte (33 Prozent) vertraut dem EU-Parlament oder der EU-Kommission, Kirchen, Gewerkschaften und Medien schneiden noch schlechter ab, am schlechtesten die politischen Parteien.

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Wenig überraschend sagen 17 Prozent der Jungen, das politische System im Heimatland funktioniere so, wie es funktionieren sollte. 28 Prozent plädieren für radikale Veränderung, um die "Dinge wieder in Ordnung zu bringen". Die Stimmen dafür kommen aus Griechenland (52 Prozent), Italien (43 Prozent) und Spanien (35 Prozent). Das sind die Länder, die bei der Jugendarbeitslosigkeit die Spitzenplätze in der Union belegen, zwischen 32 und 42 Prozent der Jungen sind in den Ländern ohne Job. Die Verringerung der sozialen Ungleichheit und Wirtschaftswachstum votierten alle Jungen auf die ersten zwei Plätze für nationale Regierungs-Aufgaben.

Nach ihrer Haltung zu populistischem Denken gefragt - von Anti-Elitarismus über Volkssouveränität bis -homogenität -, sympathisierten zwischen sieben Prozent in Deutschland und bis zu 23 Prozent in Polen. In Experten, die statt Politikern entscheiden, sehen diese die bessere Alternative, die Rechte von Minderheiten und der Opposition einzuschränken, das halten sie für vorstellbar. Kurz: demokratische Regeln finden sie dann verletzbar, wenn was vorangehen, sich etwas ändern soll. Der politische Kompromiss sei nämlich die Ursache für den Stillstand, der politische Prozess zu zäh und intransparent.

"Für populistisch eingestellte Jugendliche ist die Staatsform Demokratie vielfach ein inhaltsleerer Begriff - sie haben die Vorstellung einer illiberalen Demokratie, in der rechtsstaatliche Prinzipien wenig zählen oder ausgehebelt werden können", sagt Marcus Spittler vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), der die Studie begleitete.

82 Prozent der bis 26-Jährigen informieren sich im Internet, dort ist Facebook für die allermeisten (44 Prozent) Nachrichtenquelle Nummer Eins, die gedruckte Zeitung lesen 30 Prozent.

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