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Studie zum Wahlverhalten:"Demokratie wird zu einer immer exklusiveren Veranstaltung"

Die drei Forscher unterteilten die Gesellschaft in zehn Milieus; je nach Einkommen, Bildung, Beruf und Lebenseinstellungen. Bei der Wahl im September zeigte sich: In den Stadtteilen mit der niedrigsten Wahlbeteiligung gehören fast zehnmal so viele Menschen prekären Milieus an wie in den Stadtteilen mit der höchsten Beteiligung. Fünfmal so viele Menschen sind arbeitslos, mehr als doppelt so viele haben keinen Schulabschluss, und ihre Kaufkraft liegt um ein Drittel niedriger. "Deutschland ist längst zu einer sozial gespaltenen Demokratie der oberen zwei Drittel unserer Gesellschaft geworden", schreiben die Forscher. "Die Demokratie wird zu einer immer exklusiveren Veranstaltung für Menschen aus den mittleren und oberen Sozialmilieus der Gesellschaft."

Ist das ein Trend, der sich auch wieder umkehren kann? Oder wird er sich eher verfestigen? Gagné, Schäfer und Vehrkamp äußern sich eher pessimistisch. Sozialdaten bestätigen ja, was in jedem Stadtviertel jeweils schon der Augenschein vermuten lässt: In München-Schwabing und im Hamburg-Eppendorf wohnen eher die "Liberal-Intellektuellen" und die "Expeditiven", wie die Forscher zwei ihrer zehn Milieus nennen. Im Hasenbergl (München) und in Wilhelmsburg (Hamburg) hingegen sind eher das "traditionelle" und das "hedonistische Milieu" daheim; letzteres in der Studie definiert als die "spaß- und erlebnisorientierte Unterschicht". Gleich und gleich gesellt sich gern, lautet das Sprichwort dazu - oder andersherum, sozusagen auf Soziologisch formuliert: "Unterschiedliche Bildungsgruppen wohnen nicht in denselben Vierteln."

Jeder Mensch orientiert sich an seinem Umfeld

Was nicht ohne Konsequenzen bleiben wird. Jeder Mensch orientiert sich an den Menschen in seinem Umfeld: Nachbarn, Freunden, Familien, Kollegen - sie alle bestimmen schon durch ihr Dasein, was jemandem wichtig ist, was man denkt, wie man sich verhält. Und so ist eine Erkenntnis der Politikwissenschaft, dass zwar der Kontakt mit anderen Wählern die eigene Wahlbereitschaft erhöht - der Kontakt mit Nichtwählern jedoch das Gegenteil bewirkt, wie die Forscher schreiben.

"Getrennte Lebenswelten können dazu führen, dass bereits vorhandene Unterschiede in der Bereitschaft, sich politisch zu betätigen, weiter zunehmen." Selbst zwischen Stadtteilen mit hoher und sehr hoher Kaufkraft gibt es Unterschiede, was die Wahlbeteiligung betrifft. Die Demokratie der Besserverdienenden eben.

Die gesamte Studie finden Sie hier.

© SZ vom 12.12.2013/ebri
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