Studie zu Kindergarten-Gebühren Zwischen null und 4000 Euro

Eine neue Studie vergleicht erstmals bundesweit die Gebühren, die Eltern für einen Kindergartenplatz berappen müssen. Sie bringt groteske Unterschiede zu Tage.

Von Daniel Steinmaier, Berlin

In Tübingen zahlen Eltern mit zwei Kindergartenkindern bis zu 3552 Euro im Jahr, im nahen Heilbronn dagegen sind die Kita-Plätze für Drei- bis Sechsjährige umsonst. Solche gewaltigen Preisunterschiede nennt eine nun veröffentlichte Studie der Zeitschrift Eltern und der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM).

Groteske Unterschiede: Familien mit 45.000 Euro Bruttojahreseinkommen und einem vierjährigen Kind im Kindergarten. Zum Vergrößern bitte hier klicken.

(Foto: Grafik: INSM)

Im Auftrag der arbeitgebernahen Reforminitiative INSM und der Zeitschrift hat das Kölner Institut für deutsche Wirtschaft (IW) in den hundert bevölkerungsreichsten deutschen Städten die Gebühren für die Halbtagsbetreuung verglichen.

Nach Oliver Steinbach, dem stellvertretenden Chefredakteur der Zeitschrift Eltern, sei der Vergleich eine "Herkulesaufgabe", da die Kita-Gebühren von den einzelnen Kommunen festgelegt werden und anhand verschiedener Parameter berechnet werden.

Viele Kommunen gewähren Ermäßigungen für Geschwister, andere jedoch nicht. Die meisten Kommunen staffeln die Elternbeiträge nach Einkommen, aber jedoch nicht alle. Dies führe nach Oliver Steinbach zu einer "sehr verworrenen Lage".

Um die Gebühren für einen Halbtagskindergartenplatz in den verschiedenen Kommunen zu vergleichen, hat die Studie sechs Modellfamilien geschaffen. Jeweils eine Familie mit einem Kindergartenkind sowie eine Familie mit zwei Kindergartenkindern in jeweils drei Einkommensklassen: einer geringen Einkommensklasse mit 25.000 Euro Jahresbruttoeinkommen, einer mittleren mit 45.000 Euro und einer besserverdienenden Einkommensklasse mit 80.000 Euro Bruttojahreseinkommen.

Die Studie, die jeweils die anfallenden Gebühren für die sechs Modellfamilien berechnet, zeigt: Aufgrund der großen kommunalen Unterschiede in manchen Städten müssen selbst Großverdiener mit 80.000 Euro Jahreseinkommen nichts für ihren Kindergartenplatz zahlen, während in anderen Städten sogar einkommensschwache Familien kräftig zur Kasse gebeten werden.

Zugleich offenbart der "Kindergartenmonitor", wie sich die Studie nennt, dass in Norddeutschland in der Regel mehr für einen Kindergartenplatz gezahlt werden muss als in Süddeutschland. In nördlichen Bundesländern werden Bezieher geringer, mittlerer und hoher Einkommen durchschnittlich höher belastet als in südlichen Kommunen. In Nord- und Ostdeutschland seien die kommunalen Kindertagesstätten für Geringverdiener oft kaum erschwinglich, kritisiert die Untersuchung.

In Lübeck beispielsweise müsse eine Familie mit einem als gering einzuschätzenden Einkommen von 25.000 Euro im Jahr 7 Prozent ihres Jahreseinkommens für einen Kindergartenplatz ausgeben.

Als "Star des Tages" bewertet Oliver Steinbach dagegen die Stadt Heilbronn. Die schwäbische Großstadt sei die erste Großstadt, die in Deutschland die Kita für Drei- bis Sechsjährige für alle Eltern komplett kostenfrei gestalte. INSM-Geschäftsführer Max A. Höfer plädiert dafür, "den Halbtagskindergarten ab dem dritten Lebensjahr als erste Bildungsstufe zu sehen und wie die Schule bundesweit generell kostenfrei zu stellen".

Nach Höfer und Marie-Luise Lewicki, Chefredakteurin der Zeitschrift Eltern, entscheide gerade die frühkindliche Entwicklung über spätere Chancen im Leben. Gerade Familien aus sozial schwächeren Familien dürften deshalb nicht von hohen oder intransparenten Elterngebühren abgeschreckt werden.

Aufgrund der großen regionalen Unterschiede plädieren die Herausgeber der Studie dafür, dass sich das Bundesfamilienministerium für eine Vereinheitlichung der Kita-Gebühren einsetze. "Föderalismus hin oder her", so Chefredakteurin Lewicki, "hier muss das Familienministerium einhaken".

Darin ist sich die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, die von Arbeitgeberverbänden finanziert wird und als PR-Organisation für wirtschaftsliberale Reformpolitik gilt, sogar mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) einig. Norbert Hocke, Leiter des GEW-Vorstandsbereichs Jugendhilfe und Sozialarbeit, begrüßt, dass auch die Wirtschaft die Bedeutung der frühkindlichen Erziehung erkannt habe.

Auch er meint, der Gesetzesrahmen, den der Bund für die Kommunalen Kitas vorsehe, sei "zu weit gespannt". Marlene Rupprecht (SPD), Mitglied der Kinderkommission des Bundestags, betont dagegen, die Verfassung erlaube keine Eingriffe des Bundes in die Kita-Gebühren der Kommunen. Dennoch begrüße sie, "dass die Studie veröffentlicht wird". Der "Flickenteppich", der aus föderalen Verfassung resultiere, "nutzt den Bürgern nicht, wenn sie zwischen den Flicken durchfallen".