Studie zu bilateralem Verhältnis Deutsche bewerten Beziehung zu USA immer schlechter

Was den Stand der Beziehung zwischen ihren Ländern angeht, haben Deutsche und Amerikaner unterschiedliche Meinungen.

(Foto: Kay Nietfeld/dpa)
  • Die Sicht der Deutschen auf den Stand der transatlantischen Freundschaft hat sich rapide verschlechtert.
  • Beurteilten vor einem Jahr noch 56 Prozent die Bezeigung als schlecht, sind es in diesem Jahr 73 Prozent.
  • Die Amerikaner schauen hingegen äußerst positiv auf die Beziehung zu den Deutschen.
Von Juri Auel

Deutsche und US-Amerikaner scheinen einen ziemlich gegensätzlichen Blick auf die Beziehung ihrer beiden Länder zu haben. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls eine Studie, die das Pew Research Center in den USA gemeinsam mit der Körber-Stiftung in Deutschland erstellt hat. Demnach beurteilen 73 Prozent der Deutschen den Zustand der Beziehung mit den Vereinigten Staaten als schlecht, eine rapide Verschlechterung im Vergleich zum Vorjahr (56 Prozent). Nur 24 Prozent sehen das bilaterale Verhältnis positiv.

Bei den Amerikanern ist das Ergebnis nahezu spiegelverkehrt. Dort finden 70 Prozent das Verhältnis gut, während lediglich 25 Prozent den aktuellen Stand der Partnerschaft als schlecht bezeichnen. 58 Prozent finden das Verhältnis noch "einigermaßen gut", 12 Prozent bewerteten die Beziehung mit "sehr gut".

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Trotz ihrer negativen Sicht auf das Band zwischen den beiden Nationen, sind die Vereinigten Staaten immer noch auf Platz zwei, wenn es um die Frage geht, welches Land am wichtigsten oder zweitwichtigsten in Sachen Partnerschaft für eine gemeinsame Außenpolitik ist. Auf Platz eins landet bei den Deutschen Frankreich, auf Platz drei Russland. Bei den Amerikanern sind die wichtigsten Partner das Vereinigte Königreich, China und Kanada. Deutschland landet auf Platz sieben. Eine große Mehrheit von mehr als 70 Prozent der Deutschen wollen unabhängiger von den USA werden in der Außenpolitik, bei den Amerikanern wünschen sich gut zwei Drittel eine weitere enge Beziehung zu Europa.

Amerikaner sind Zöllen gespalten

Bei der Frage nach Zöllen zeigen sich die Amerikaner gespaltener als die Deutschen. 51 Prozent sind gegen wechselseitige Zölle zwischen den USA und Europa, 44 Prozent dafür. Bei den Deutschen sind lediglich 17 Prozent gegen eine solche Praxis und 78 Prozent dafür.

Eine interessante Entwicklung zeigt sich bei der Verteidigungspolitik. Während in den USA im Vergleich zum vorherigen Jahr weniger Menschen der Meinung sind, Europa sollte mehr für seine Verteidigung ausgeben, sind in Deutschland mittlerweile mehr Menschen als noch im Jahr 2017 der Meinung, Deutschland solle seine Verteidigungsausgaben erhöhen. Was die Beurteilung der Nato angeht, so schreiben die Forscher, hat sich die Beurteilung der Beziehung in den USA und Deutschland in den vergangenen Jahren relativ parallel entwickelt. Sahen die Amerikaner das Bündnis kritischer, taten es auch die Deutschen. Aktuell sind die Meinungen über die Nato in beiden Ländern nahezu identisch. 64 Prozent der Amerikaner finden die Allianz positiv, bei den Deutschen sind es 63.

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