Studie:McKinsey legt Studie zur Abschiebung von Flüchtlingen vor

Sammelabschiebung

Abgelehnte Asylbewerber steigen 2015 im Rahmen einer landesweiten Sammelabschiebung in ein Flugzeug. Einer Studie zufolge wird die Zahl der Abschiebungen bis Ende des kommenden Jahres viel zu niedrig sein.

(Foto: dpa)
  • Die Unternehmensberatung McKinsey hat im Auftrag der Flüchtlingsbehörde Bamf eine Studie zur verbesserten Rückführung von Asylbewerbern erstellt.
  • Ein Entwurf des vertraulichen Papiers liegt der Welt am Sonntag vor.
  • Das Papier enthält 14 Maßnahmen, lässt aber einige der größen Abschiebehürden außen vor.
  • Experten kritisieren die Kosten der Studie - sie liegen bei 1,8 Millionen Euro.

Die Bundesregierung soll abgelehnte Asylbewerber entweder entschiedener abschieben oder mehr Geld in die Hand nehmen, um die Menschen von einer freiwilligen Rückkehr zu überzeugen: Das schlägt der Entwurf einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey vor, aus dem die Welt am Sonntag zitiert. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hatte die vertrauliche Untersuchung demnach in Auftrag gegeben.

In dem Entwurf schlägt McKinsey der Regierung 14 Maßnahmen vor, mit der sich eine "konsequentere Rückführung" ausreisepflichtiger Ausländer durchsetzen ließe. Wichtigste Punkte: die Einrichtung von Abschiebegefängnissen, mehr Geld für freiwillige Rückkehrer, die "konsequente digitale Erfassung im Ausländerzentralregister", mehr Personal in den Ausländerbehörden und eine Zentralisierung der Verantwortlichkeiten für die Rückkehr.

Bis Ende kommenden Jahres werden etwa 485 000 Menschen ausreisepflichtig sein

Aus der Studie geht hervor, dass es Ende 2017 in Deutschland etwa 485 000 Menschen geben wird, die das Land wieder verlassen werden müssen. Wahrscheinlich werden aber nur etwa 85 000 Flüchtlinge das Land tatsächlich verlassen - 400 000 eigentlich Ausreisepflichtige würden demnach hier bleiben.

Doch nicht nur die Zahl der Ausreisen sei zu gering, schreiben die Berater, die Umsetzung der Abschiebungen dauere auch zu lange. Denn bis die Geflüchteten in ihre Herkunftsländer zurückkehrten, vergingen oft zwischen einem und viereinhalb Jahren.

Um den Prozess zu beschleunigen, empfehlen die McKinsey-Berater, geduldeten Flüchtlingen die Geldleistungen zu kürzen. Insbesondere Asylsuchenden, die krank seien oder keine Passpapiere vorlegten, solle man für Essen oder Kleidung statt Geld nur noch Sachleistungen geben. Das verringere die "finanzielle Flexibilität". McKinsey empfiehlt außerdem, Leistungen zu kürzen, wenn Asylbewerber nicht zur Klärung ihrer Identität oder zur Beschaffung von Passersatz-Dokumenten beitrügen.

Auf eines der größten Probleme, das der Abschiebung vieler Geflüchteten im Weg steht, so schreibt es die Welt am Sonntag, die das Dokument kennt, gehen die Autoren der Studie jedoch gar nicht ein: Das Problem, dass viele Menschen schlicht nicht abgeschoben werden können, weil ihre Heimatländer sie nicht wieder zurücknehmen. Stattdessen legten die Autoren den Fokus auf die Förderung der freiwilligen Ausreise - mit Geldanreizen. Fraglich ist, wie viele Geflüchtete dieses Angebot annehmen, und wie leicht sich höhere finanzielle Anreize politisch durchsetzen lassen.

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