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Studie:Jeder achte Deutsche ist armutsgefährdet

Die Schere zwischen Arm und Reich hat sich in Deutschland einer Studie zufolge weiter geöffnet. Für ältere Menschen ist das Armutsrisiko besonders groß.

Alten Menschen in Deutschland droht zunehmend ein Leben in Armut. Besonders betroffen sind Personen über 65 Jahre im früheren Bundesgebiet, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Montag unter Berufung auf die Studie "Leben in Europa 2006" mitteilte.

Armut, AP

Ein Mann sucht in einem Düsseldorfer Papierkorb nach Essen.

(Foto: Foto: AP)

Von ihnen waren im Jahr 2005 demnach rund 14 Prozent von Armut gefährdet, weil sie mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung auskommen mussten. In den neuen Ländern und Berlin waren es neun Prozent. Von allen Bundesbürgern war jeder Achte armutsgefährdet.

Ohne staatliche Unterstützungszahlungen läge das Armutsrisiko noch deutlich höher: Werden Sozialtransfers (außer Pensions- und Rentenzahlungen) nicht als Einkommen verbucht, lag die Armutsquote bei 26 Prozent. Von den Jugendlichen unter 18 Jahren wäre der Studie zufolge dann sogar ein Drittel armutsgefährdet. Erst unter Einbeziehung der Sozialtransfers fällt die Quote auf zwölf Prozent.

"Doch auch die Abhängigkeit von staatlichen Stellen ist eine Art von Armut", sagte der Kölner Sozialwissenschaftler Christoph Butterwegge im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. "Daran wird deutlich, wie jung die Armut in Deutschland ist." Zugleich drohe wegen sinkender Erwerbstätigenzahlen, Rentenstagnation und der nachgelagerten Besteuerung von Ersparnissen eine "Re-Seniorisierung" der Armut.

Das mittlere verfügbare Jahreseinkommen der Bevölkerung lag 2005 bei 15.617 Euro pro Person. Als armutsgefährdet galten alleinlebende Personen, wenn sie weniger als 9.370 Euro im Jahr beziehungsweise 781 Euro im Monat zum Leben hatten. Ein Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren galt bei einem verfügbaren Jahreseinkommen von weniger als 19.677 Euro oder 1.640 Euro monatlich als armutsgefährdet.

Unterschied zwischen Arm und Reich vergrößert sich

Das obere Fünftel der Bevölkerung hat ein über vier Mal so hohes Einkommen wie die am wenigsten begüterten 20 Prozent, ergab die Studie weiter. "Die Einkommensspaltung in Deutschland nimmt zu", warnte Armutsforscher Butterwegge.

Das Haushaltseinkommen spiegele allerdings nur einen kleinen Teil der tatsächlichen Ungleichheit wider. "Wenn man auch das Vermögen anschaut, sind die Zahlen viel drastischer. Wenn einer vier Mal so viel verdient, aber außerdem noch 50 Häuser besitzt, dann fällt das deutlich stärker ins Gewicht."

Zwar gehe es den Armen in Deutschland rechnerisch deutlich besser als etwa den Armen in Afrika. "Aber das bedeutet nicht, dass die Armut hier nicht relevant ist." Entscheidend sei, welche Chance arme Bundesbürger auf eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, auf Bildung und Gesundheit hätten, sagte der Wissenschaftler. Dafür seien auch die derzeitigen Hartz-IV-Sätze für Familien und ihren Nachwuchs nicht ausreichend.

Für die Studie wurden in der Bundesrepublik rund 26.000 Personen ab 16 Jahren in rund 13.800 Haushalten befragt.