Studie des Statistischen Bundesamts Jeder vierte Zuwanderer von Armut bedroht

Für Migranten in Deutschland ist das Armutsrisiko besonders hoch: Einer Studie des Statistischen Bundesamts zufolge sind Zuwanderer doppelt so häufig armutsgefährdet wie die übrige Bevölkerung. Eklatante Unterschiede gibt es auch bei den Bildungsabschlüssen.

Das Armutsrisiko bei Migranten in Deutschland ist mehr als doppelt so hoch als bei der übrigen Bevölkerung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Statistischen Bundesamts. Demnach waren 2010 mehr als ein Viertel der Migranten armutsgefährdet. In der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund war es etwa jeder Achte. Die Daten wurden im Zuge des Mikrozensus 2010 erhoben.

Obdachloser in Leipzig: Das Statistische Bundesamt hat Zahlen vorgelegt, wonach Zuwanderer in Deutschland überdurchschnittlich von Armut bedroht sind.

(Foto: dpa)

Nach der Definition der Europäischen Union gelten Menschen als armutsgefährdet, wenn sie mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung auskommen müssen. Als mittleres Einkommen wird das sogenannte Äquivalenzeinkommen herangezogen, das sich aus dem Gesamteinkommen eines Haushalts und der Anzahl und dem Alter der in einem Haushalt lebenden Personen ergibt.

Unter Migranten fasst die Studie sowohl Deutsche mit Migrationshintergrund als auch Ausländer zusammen. 2010 waren das insgesamt etwa 15,7 Millionen Menschen, davon hatten etwa 8,6 Millionen einen deutschen Pass. Die größte Gruppe der Migranten haben türkische Wurzeln (15,8 Prozent), gefolgt von polnischen Zuwanderern (8,3 Prozent), Einwanderern aus der Russischen Föderation (6, 7 Prozent) und aus Italien, (4,7 Prozent). Knapp ein Drittel der Migranten stammt aus der EU.

Fehlende Bildung auch für Migranten ein Armutsrisiko

Die bei der Gesamtbevölkerung erkennbaren Muster treffen auch auf die Gruppe der Migranten zu - allerdings auf höherem Niveau: So sind unter den Zuwanderern und deren Nachkommen Alleinerziehende, Schulabbrecher und Arbeitslose überdurchschnittlich von Armut gefährdet. Zudem ist diese Bevölkerungsgruppe von Kinder- und Altersarmut häufiger betroffen als Menschen ohne Migrationshintergrund.

Eklatante Unterschiede zeigen sich darüber hinaus im Bereich der Schulbildung: 15 Prozent der Migranten haben keinen allgemeinen Schulabschluss, bei der übrigen Bevölkerung sind dies nur zwei Prozent. Zudem haben 45 Prozent der Migranten keinen berufsqualifizierenden Abschluss, bei Menschen ohne Migrationshintergrund sind es 19,6 Prozent.

Ähnliche Unterschiede zeigen sich bei der Erwerbssituation: Menschen mit Migrationshintergrund im Alter von 25 bis 65 sind etwa doppelt so häufig erwerbslos als Menschen ohne Migrationshintergrund. Menschen mit Migrationshintergrund sind zu 39,5 Prozent als Arbeiter beschäftigt. Die Arbeiterquote bei Menschen ohne Migrationshintergrund liegt bei 22,3 Prozent.