Krise auf KubaErneuter inselweiter Stromausfall auf Kuba

Lesezeit: 1 Min.

Auch in Havanna ist es dunkel - bereits zum zweiten Mal in einer Woche.
Auch in Havanna ist es dunkel - bereits zum zweiten Mal in einer Woche. YAMIL LAGE/AFP

Wieder ist es dunkel auf Kuba: Die Insel kämpft mit dem zweiten Blackout innerhalb einer Woche. Die Stromversorgung hängt stark von Öllieferungen aus dem Ausland ab – und die fehlen seit drei Monaten.

SZ bei Google bevorzugen

Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche ist es auf Kuba zu einem inselweiten Stromausfall gekommen. Nach dem Blackout werde unter schwierigen Umständen an der Wiederherstellung der Energieversorgung gearbeitet, teilte Ministerpräsident Manuel Marrero Cruz mit. Bereits am Montag war das Stromnetz in dem wirtschaftlich sehr angeschlagenen sozialistischen Karibikstaat komplett zusammengebrochen.

Auf Kuba ist die veraltete Infrastruktur aufgrund mangelnder Wartung in schlechtem Zustand. Durch ein von US-Präsident Donald Trump verhängtes Ölembargo hat sich die Lage zudem dramatisch verschlechtert. Die Stromversorgung ist von Öl abhängig, und das Land hat seit drei Monaten keine Erdöllieferungen mehr aus dem Ausland erhalten.

Kuba
:„Wir haben keine Kraft mehr“

Kaum Strom, kaum Wasser, die Lebensmittel schier unbezahlbar: Trumps Ölblockade führt zu verheerenden Zuständen, berichten Kubaner. Experten zufolge läuft in Havanna der Countdown zum Kollaps.

SZ PlusVon Benedikt Peters

In dem Land mit knapp zehn Millionen Einwohnern verschärfen häufige Stromausfälle und Treibstoffmangel die ohnehin bereits seit Jahren dramatischen Lebensbedingungen der Bevölkerung. Ohne Energie verderben die wenigen verfügbaren Lebensmittel im Kühlschrank. Die Telefon- und Internetverbindung bricht ständig ab. Krankenhäuser müssen ihre Leistungen kürzen. Der Unterricht an Schulen und Universitäten fällt aus. Aufgrund des Kraftstoffmangels sammelt sich der Müll auf den Straßen, weil eine Müllentsorgung nur eingeschränkt möglich ist.

Angespannte Beziehung zwischen Washington und Havanna seit Castro

Selbst die US-Botschaft ist von den Stromausfällen betroffen. Die kubanische Regierung hatte zuletzt einem Bericht der Washington Post zufolge der US-Vertretung eine Einfuhr von Diesel für Generatoren verweigert. Die Botschaft nehme „schamlos“ ein Privileg für sich in Anspruch, das die USA dem kubanischen Volk verwehrten, hieß es.

Stromausfall in Havanna, Kuba
Stromausfall in Havanna, Kuba Ramon Espinosa/AP

Seit der Revolution 1959 unter dem linken Revolutionsführer Fidel Castro sind die Beziehungen zwischen Washington und Havanna angespannt. Die kommunistische Regierung Kubas führt die Wirtschaftskrise des Landes auf das seit mehr als 60 Jahren bestehende Handelsembargo der USA sowie auf das aktuelle Ölembargo zurück.

Schon vor dem US-Militäreinsatz in Venezuela im Januar hatte Präsident Trump eine vollständige Blockade für sanktionierte Öltanker mit Lieferungen von Kubas südamerikanischen Verbündeten angeordnet. Auch durch Zolldrohungen an potenzielle Lieferanten schnitt er Kubas Ölzufuhr ab. Trump versucht, wirtschaftliche und politische Veränderungen auf der Insel zu erzwingen und hat eine Übernahme Kubas durch die USA angedeutet. Zugleich führen Washington und Havanna Gespräche, deren Inhalt nicht bekannt ist. Havanna hat Änderungen an seinem politischen System ausgeschlossen.

© SZ/dpa/ost - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

USA
:Trump könnte mit Castro-Enkel gemeinsame Sache machen

Auf Kuba wird das Leben immer schwieriger, weil Venezuela kein Öl mehr liefern darf. Jetzt sprechen die USA mit dem kubanischen Regime, das sie eigentlich abschaffen wollten. Ihr Mittelsmann ist ausgerechnet ein Nachkomme von Raúl Castro.

SZ PlusVon Peter Burghardt

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: