Nach dem tagelangen großflächigen Stromausfall im Berliner Südwesten ist die Energieversorgung für das betroffene Gebiet wieder angelaufen. Schrittweise sollten in den nächsten Stunden sämtliche Haushalte wieder Strom haben, teilte ein Sprecher der landeseigenen Stromnetzgesellschaft mit. Bereits in der Nacht konnte die entscheidende provisorische Kabelverbindung wieder hergestellt und positiv getestet werden, hieß es.
„Bevor der Strom jedoch für alle wieder da ist, wird es für einige der bereits wiederversorgten Kunden im ursprünglich betroffenen Gebiet zu einer circa 15 Minuten langen Stromunterbrechung kommen“, teilte Stromnetz Berlin weiter mit. „Ähnlich wie bei einem Wechsel eines Steckers zu einer anderen Steckdose wird so die Wiederversorgung über die provisorische Leitung am Teltowkanal sichergestellt.“
Im Verlauf des Vormittags wurden kritische Einrichtungen wie Krankenhäuser und Pflegedienste informiert, dass der Strom bald wieder fließen könne. Per Warnsystem wurden auch die Verbraucherinnen und Verbraucher aufgefordert, Notstromaggregate vom Netz zu nehmen, um Schäden zu vermeiden.
Noch am frühen Mittwochmorgen waren laut dem Betreiber Stromnetz Berlin etwa 19 900 Haushalte und 850 Gewerbebetriebe ohne Strom. Der Betreiber vermutete zunächst, dass es bis Donnerstagvormittag dauern würde, alle Betroffenen wieder mit Strom zu versorgen. Dass es nun schon am Mittwoch für alle wieder Strom geben soll, wurde laut Regierendem Bürgermeister Kai Wegner (CDU) möglich, weil die Großschadenslage ausgerufen und damit die notwendigen Kräfte und Abläufe gebündelt werden konnten. „Es war richtig, parallel an zwei Standorten zu arbeiten – so konnten die Reparaturen schließlich am Anschlagsort erfolgreich abgeschlossen werden“, so der Regierende Bürgermeister.
Im Laufe des Tages soll die Versorgung in sämtlichen Haushalten aber stabil laufen. Die Behörden riefen die Menschen auf, unmittelbar nach der Zuschaltung zum Stromnetz keine Geräte mit starkem Stromverbrauch zu benutzen. Genannt wurden beispielsweise Waschmaschinen, Wäschetrockner, Wasserkocher, Heizlüfter oder Ladestationen für E-Fahrzeuge.
Am Wochenende hatte sich die „Vulkangruppe“ zu dem Anschlag bekannt. Sie ist den Behörden seit Jahren als Netzwerk gewaltbereiter Linksextremisten bekannt, das vor allem in Berlin und Brandenburg Anschläge begeht. Es wurde jedoch auch spekuliert, dass Russland mit einem seiner Geheimdienste hinter dem Anschlag gesteckt haben könnte.
Deshalb meldeten sich die mutmaßlichen Täter am Dienstagabend mit einem zweiten Bekennerschreiben. Nach ihrer ersten Erklärung zur Tat sei „vieles bewusst missverstanden oder verzerrt“ worden, schreibt die „Vulkangruppe“ auf einer linken Onlineplattform. In dem Post mit dem Titel „Den Herrschenden den Saft abdrehen – Richtigstellung“ heißt es, dass es sich bei dem Anschlag nicht um eine „False-Flag-Aktion“ eines ausländischen Staates handle. „Diese Spekulationen sind nichts weiter als der Versuch, die eigene Ohnmacht zu kaschieren“, so die Gruppe. Die Motive der mutmaßlichen Täter „speisen sich aus jahrelanger Erfahrung mit leerem Klimadiskurs, symbolischer Politik und einer Energieversorgung, die auf Zerstörung basiert“.

