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Streit um Schulz' Rede in Israel:Schwere Vorwürfe von Amnesty International

Amnesty International erhob 2009 in einem Bericht schwere Vorwürfe gegen die israelische Regierung. Demnach begrenze Israel den Zugriff der Palästinenser auf die gemeinsamen Wasserressourcen im Westjordanland massiv, während die israelischen Siedlungen "praktisch unbegrenzten Nachschub" erhielten. In dem Bericht ist von einem palästinensischen Pro-Kopf-Verbrauch von 70 Litern am Tag die Rede. In einigen ländlichen Gemeinden lebten die Palästinenser von knapp 20 Litern pro Tag.

Ganz anders rechnet man hingegen in Israel: Die dortige Wasserbehörde kommt auf einen palästinensischen Pro-Kopf-Verbrauch von 254 Litern pro Tag. Man stelle den Palästinensern sogar mehr Wasser zur Verfügung, als am Ende eigentlich gebraucht wird, heißt es in dem 2012 erschienenen Bericht. Und zwar insgesamt 348 Liter pro Tag. Die Behörde geht von einem israelischen Pro-Kopf-Verbrauch von 375 Litern am Tag aus. Die Zahlen fallen also relativ ähnlich aus.

Dass sich die Verbrauchszahlen im Laufe der Jahre angenähert hätten, zu diesem Schluss kommt auch eine vor zwei Jahren erschienene Studie des Israel-freundlichen "Begin-Sadat Center for Strategic Studies". Im Jahr 2011 habe der Pro-Kopf-Verbrauch der Israelis bei 150 Kubikmeter Wasser gelegen, während jener der Palästinenser 140 Kubikmeter betragen habe. Israel hätte also all seine Verpflichtungen aus den Verträgen teilweise sogar noch übertroffen. Dass die Zahlen von den palästinensischen Angaben so sehr abweichen, erklären sich die Autoren der Studie folgendermaßen: Man gehe eben von einer unterschiedlichen Definition aus, was die tatsächliche Zahl der Palästinenser im Westjordanland angeht (auf Seite 13 werden die genauen Gründe angeführt).

Dem gegenüber steht die Studie des Strategic Studies Forum der palästinensischen Birzeit-Universität aus dem Jahr 2013, die zu einem ganz anderen Ergebnis kommt. Zwar stimmt die Zahl der Wissenschaftler hinsichtlich des israelischen Pro-Kopf-Verbrauch weitgehend mit israelischen Angaben überein (300 Liter pro Tag). Den palästinensischen Pro-Kopf-Verbrauch im Westjordanland schätzen sie hingegen auf durchschnittlich 70 Liter. Die akute Wasserknappheit der Palästinenser im Gazastreifen und im Westjordanland sei somit im Laufe der Zeit immer kritischer geworden.

Ursache dafür sei unter anderem die einseitige Kontrolle Israels über die Wasserversorgung im Westjordanland. Mit diesem Problem hat sich der UN-Nothilfekoordinator (OCHA) ausführlich in einem Bericht beschäftigt. Die Vereinten Nationen geben zur Wasserversorgung im Westjordanland folgende Zahlen an: Sie schätzen, dass etwa eine Million Palästinenser pro Kopf mit etwa 60 Litern täglich auskommen muss.

© Süddeutsche.de/mati

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