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Streit um Sarkozy-Nachfolge in Frankreich:Juppé warnt vor Ende der konservativen Partei UMP

Es geht um "die Existenz der UMP selbst": Die rivalisierenden Spitzenpolitiker François Fillon und Jean-François Copé haben sich beide zum Sieger der Wahl zum neuen Parteichef erklärt und sich heftig angefeindet. Nun versucht der ehemalige Außenminister Alain Juppé zu schlichten.

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Ringen um den Vorsitz in der französischen UMP: Der ehemalige Premierminister François Fillon (l.) und der Generalsekretär der Partei, Jean-François Copé.

(Foto: AP)

Die Urwahl des neuen Vorsitzenden ist für die französischen Konservativen zum Desaster geraten. Nun hat der frühere französische Außenminister Alain Juppé gar vor einem Ende der erst vor zehn Jahren gegründeten Partei gewarnt. Es gehe um "die Existenz der UMP selbst", sagte der Mitbegründer der Partei dem Sender I-Télé. Die Parteimitglieder waren am Sonntag zur Wahl ihres neuen Parteichefs aufgerufen. Beide Bewerber, Ex-Premierminister François Fillon und UMP-Generalsekretär Jean-François Copé, erklärten sich danach zum Sieger und erhoben den Vorwurf des Wahlbetruges.

Der 48-jährige Copé hatte als Erster den Sieg für sein Lager erklärt. "Die Mehrheit der Mitglieder der UMP haben mir heute ihre Zustimmung ausgesprochen und mich zum Parteivorsitzenden gewählt", erklärte Copé vor seinen Anhängern in Paris. Kurz danach verkündete der 58-jährige Fillon, er habe das Rennen mit 224 Stimmen Vorsprung gewonnen. "Ich werde den UMP-Mitgliedern nicht ihren Sieg stehlen lassen", erklärte er.

Im Lager von Fillon sprach man von einem medienwirksamen Putsch. Beide Lager warfen sich Unregelmäßigkeiten bei der Wahl vor. Zur Wahl des neuen Chefs der Konservativen waren etwa 300.000 Mitglieder aufgerufen.

Eine parteiinterne Kommission zur Überwachung der Wahl setzte am Vormittag die Auszählung der Stimmen fort, die in der Nacht unterbrochen worden war. Juppé versicherte, die beiden Kontrahenten seien bereit, das Urteil der Wahlkommission zu akzeptieren. Er habe mit beiden gesprochen, sagte der Bürgermeister der südwestfranzösischen Großstadt Bordeaux.

Ursprünglich war auch Juppé als ein möglicher Kandidat für den Parteivorsitz genannt worden. Er hatte im August aber seinen Verzicht erklärt. Juppé hatte zwischen 2002 und 2004 an der Spitze der Partei gestanden. Nun hob er hervor: "Wir brauchen mehr denn je einen großen Zusammenschluss der Rechten und des Zentrums, und das steht auf dem Spiel." Er wolle einen "Alarmruf" aussenden. "Diese Konfrontation" müsse beendet werden.

Kampf um Nachfolge Sarkozys

Fillon und Copé liefern sich seit Wochen schon erbitterte Lagerkämpfe. Denn bei der Wahl geht es nicht zuletzt auch um die Nachfolge von Nicolas Sarkozy als Spitzenkandidat für die Präsidentenwahl 2017. Der Sieger hat große Chancen, den sozialistischen Staatspräsidenten François Hollande in fünf Jahren herauszufordern - außer Sarkozy würde sich wieder zurückmelden. Etwa 64 Prozent der UMP-Anhänger wünschen sich, dass Sarkozy 2017 erneut für das höchste Staatsamt antritt.

Das Duell Fillon/Copé hat die UMP in ein Schlachtfeld verwandelt. Eine der wichtigsten Aufgaben des neuen auf drei Jahre gewählten Vorsitzenden wird es sein, die Partei wieder zu einen: Gleich ob der Chef der angriffslustige und weiter rechts stehende Generalsekretär Copé sein wird oder der moderate Ex-Premierminister Fillon.

© Süddeutsche.de/dpa/AFP/mike/gal
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