Streit um Pille danach Beratung muss sein - aber nicht vom Arzt

Die Pille danach kann in wenigen Ausnahmen bedrohliche Nebenwirkungen haben. Eine fachmännische Beratung ist deswegen wichtig. Doch gleichzeitig muss der Zugang zu dem Präparat so unproblematisch wie möglich sein.

Ein Kommentar von Guido Bohsem, Berlin

Besonders verwunderlich ist es nicht, dass Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) darauf beharrt, die Pille danach nur auf Rezept abzugeben. Diese Position ist schließlich Mehrheitsmeinung in der Partei des Ministers. Auch dürfte ihm sein christlich geprägtes Weltbild die Entscheidung leichter gemacht haben - ohne Gröhe damit gleich unterstellen zu wollen, er lehne die nachträgliche Empfängnisverhütung vor allem aus moralischen Gründen ab.

Tatsächlich ist es richtig, eine solche Entscheidung nicht leichtfertig zu treffen. Das in Rede stehende Medikament kann in wenigen Ausnahmen bedrohliche Nebenwirkungen haben, weshalb eine fachmännische Beratung durchaus angebracht zu sein scheint. Während Gröhe glaubt, diese habe durch einen Arzt zu geschehen, halten andere Experten das für nicht notwendig, so zum Beispiel der renommierte Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht.

Für die Rezeptfreiheit spricht vor allem die kurze Zeit, in der die Pille danach wirken kann. Innerhalb von 72 Stunden nach dem Sex muss sie genommen werden, um eine ungewünschte Schwangerschaft zu verhindern. Die Pille trägt somit wesentlich dazu bei, spätere Abtreibungen zu verhindern. Der Zugang zu dem Präparat sollte deshalb so unproblematisch und so schnell wie möglich gestaltet werden. Eine Beratung durch den Apotheker reicht dabei aus.