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Streit um Holocaust-Leugner:Knobloch bricht Kontakt zu katholischer Kirche ab

Die Rehabilitierung des erzkonservativen Bischofs Wiliamson durch den Papst erzürnt viele. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, zieht Konsequenzen.

Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hat vorerst den Dialog mit Vertretern der katholischen Kirche abgebrochen. Sie ziehe damit die Konsequenzen aus der Rücknahme der Exkommunikation des Holocaust-Leugners und traditionalistischen Bischofs Richard Williamson, sagte Knobloch der Rheinischen Post vom Donnerstag.

Will sich mit der Rehabilitierung des erzkonservativen Bischofs Williamson nicht abfinden: Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland.

(Foto: Foto: AP)

"Unter solchen Voraussetzungen wird es zwischen mir und der Kirche momentan sicher kein Gespräch geben, ich unterstreiche das Wort 'momentan'." Knobloch sagte zu der von Papst Benedikt XVI. angeordneten Rücknahme der Exkommunikation: "Ich wünsche mir einen Aufschrei in der Kirche gegen ein solches Vorgehen des Papstes."

"Der Papst meint, was er sagt"

An eine unbedachte Entscheidung glaube sie nicht: "Ich habe es hier nicht mit Menschen zu tun, die nicht wissen, was sie tun. Der Papst ist einer der gebildetsten und intelligentesten Menschen, die die katholische Kirche hat, und jedes Wort, das er ausspricht, das meint er auch, und das ist auch fundiert."

Der Vatikan hatte vor wenigen Tagen die Exkommunikation von Williamson, der Bischof der erzkonservativen Priesterbruderschaft St. Pius X. ist, rückgängig gemacht. Das hat zu erheblichen Spannungen mit jüdischen Organisationen geführt, weil Williamson in einem Fernsehinterview die Ermordung der sechs Millionen Juden in den Gaskammern der Nazi-Konzentrationslager bestritten hat.

Gegen den 67-Jährigen ermittelt deswegen die Regensburger Staatsanwaltschaft wegen Volksverhetzung, da das Interview vor drei Monaten im Priesterseminar der Piusbruderschaft nahe Regensburg aufgezeichnet worden sein soll. Benedikt XVI. hatte am Mittwoch in Rom die Holocaust-Leugnung verurteilt und seine volle Solidarität mit den Juden bekräftigt.

Die klare Absage des Papstes an jede Leugnung des Holocaust wurde von Rabbinern als Geste zur Beilegung des Streits um Bischof Williamson gewürdigt. "Das ist ein großer Schritt nach vorn, um die Frage zu lösen", sagte der Generaldirektor des israelischen Oberrabbinats, Oded Weiner, einem Bericht der Turiner Tageszeitung La Stampa zufolge.

Mit dem Vatikan und mit der israelischen Regierung müsse aber noch erörtert werden, was getan werden müsse, um einen Schlussstrich zu ziehen. Das Oberrabbinat hatte wegen der Rehabilitierung Williamsons durch den Papst die offiziellen Beziehungen zum Vatikan vorerst ausgesetzt.

Auch Israels Botschafter beim Heiligen Stuhl, Mordechay Lewy, begrüßte Benedikts Erklärung. Sie kläre vieles und helfe, Missverständnisse zu überwinden. Benedikt sei in Israel willkommen, so wie er es zuvor gewesen sei, erklärte Lewy auf die Frage, ob die Affäre die im Mai geplante Reise Benedikts ins Heilige Land gefährde.

Kritischer äußerte sich La Stampa zufolge David Rosen, führender Rabbiner beim Internationalen Jüdischen Komitee für Interreligiöse Beratungen (IJCIC). "Der Fall ist noch nicht abgeschlossen. Ohne eine Entschuldigung von Williamson oder eine Erklärung des Vatikans, dass dieser nicht mehr als Bischof in der Kirche akzeptiert ist, solange er derartige Meinungen äußert, bleibt die Sache zwiespältig", wird der Rabbiner zitiert.

Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller verteidigte die Entscheidung des Papstes. Den Flurschaden habe Williamson angerichtet, nicht Benedikt XVI. Williamsons Äußerungen seien ein "idiotisches und infames Herumfabulieren".