Streit um Bundesbankvorstand Sarrazin gegen Wulff, Wulff gegen Sarrazin

Bundespräsident Wulff wehrt sich gegen den "Schauprozess"-Vorwurf von Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin. Der kann sich indes freuen: Jeder fünfte Deutsche würde eine Sarrazin-Partei wählen.

Über und mit Thilo Sarrazin diskutiert längst auch die höchste politische Führungsebene. Nun geht die Auseinandersetzung zwischen dem umstrittenen Bundesbankvorstand und Bundespräsident Christian Wulff in die nächste Runde. Nachdem Sarrazin Wulff im Magazin Focus indirekt unterstellt hatte, er beteilige sich an einem "Schauprozess" gegen seine Person, hat der CDU-Politiker diesen Vorwurf umgehend zurückweisen lassen.

Wehrt sich gegen Aussagen des umstrittenen Bundesbankvorstands Thilo Sarrazin (SPD): Bundespräsident Christian Wulff (CDU).

(Foto: ddp)

"Das Verfahren wird selbstverständlich und ausschließlich nach Recht und Gesetz durchgeführt", sagte Wulffs Sprecher in der Bild am Sonntag (BamS).

Sarrazin hatte zuvor im Focus gesagt, er gehe davon aus, dass Wulff ihn vor seiner geplanten Abberufung aus dem Vorstand der Bundesbank anhören werde. "Der Bundespräsident wird sich genau überlegen, ob er eine Art politischen Schauprozess vollenden will, der anschließend von den Gerichten kassiert wird."

Auch die Bundeskanzlerin hat sich erneut in der Causa Sarrazin geäußert: Angela Merkel (CDU) sieht die Unabhängigkeit der Bundesbank durch Forderungen aus der Politik nach einer Entlassung des umstrittenen Vorstandsmitglieds nicht beschädigt. "Die Vorstände der Bundesbank haben diese Entscheidung einmütig und wie stets in vollständiger Unabhängigkeit getroffen", sagte die Kanzlerin der BamS. "Bei dieser Unabhängigkeit, auf der das weltweite Ansehen unserer Zentralbank beruht, bleibt es auch in Zukunft." Zugleich betonte Merkel, ihr sei wichtig, "dass bei der Bundesbank Ruhe einkehrt, damit sie sich ganz ihren wichtigen Aufgaben widmen kann".

Die Bevölkerung ist einer Emnid-Umfrage im Auftrag der BamS zufolge im Hinblick auf die beantragte Entlassung Sarrazins aus dem Bundesbank-Vorstand gespalten: 45 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, dass Bundespräsident Wulff die Entlassung unterschreibt, 41 Prozent lehnen dies jedoch ab.

Indes wurde bekannt, dass Sarrazin seine Vorstandskollegen offenbar vorab über sein umstrittenes Buch über die deutsche Einwanderungs- und Integrationspolitik informiert hatte. Er habe den gesamten Vorstand am 16. August schriftlich über die geplante Veröffentlichung seines Buches Deutschland schafft sich ab in Kenntnis gesetzt, berichtet die BamS. Allerdings habe weder Bundesbankpräsident Axel Weber noch ein anderes Vorstandsmitglied darauf reagiert und sich nach dem Inhalt des Buches erkundigt.

Größeres Interesse an Sarrazins Thesen haben da schon die Deutschen: Fast jeder fünfte Bundesbürger (18 Prozent) würde der Emnid-Umfrage zufolge eine Partei mit dem Migrationskritiker an der Spitze wählen.

Bundesbanker soll gehen: Medienecho

Sarrazin und die Märtyrer-Falle