Süddeutsche Zeitung

Streit mit der Türkei:Deutschland soll Nato-Gipfel in der Türkei verhindert haben

  • Die Nato-Staaten haben offenbar das Angebot des türkischen Präsidenten Erdoğan ausgeschlagen, im kommenden Jahr den Gipfel des Militärbündnisses auszurichten.
  • Man wolle die Türkei nicht international aufwerten, habe es zur Begründung in Nato-Kreisen geheißen, berichtet die Welt.

Die Nato-Staaten haben einem Medienbericht zufolge ein Angebot des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan ausgeschlagen, im kommenden Jahr den Gipfel des Militärbündnisses auszurichten. Das berichtet die Zeitung Die Welt unter Berufung auf hohe Nato-Diplomaten, die mit der Angelegenheit vertraut seien.

Zahlreiche Nato-Länder, angeführt von Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Dänemark, hätten sich vehement gegen Istanbul ausgesprochen. "Wir wollen die Türkei nicht international aufwerten und den Eindruck vermeiden, dass die Nato die interne Politik der türkischen Regierung unterstützt", habe es in Kreisen hochrangiger Nato-Diplomaten geheißen.

Die Türkei hatte sich als eines von mehreren Nato-Ländern als Gastgeber des Spitzentreffens angeboten. Nun fordern mehrere Nato-Staaten, den Nato-Gipfel im Jahr 2018 stattdessen im neuen Hauptquartier in Brüssel auszurichten. Ein Beschluss dazu soll auf dem Treffen der Nato-Verteidigungsminister Ende Juni fallen.

Hintergrund ist der Dauerkonflikt der Bundesregierung mit der Türkei. Ankara verhindert Reisen deutscher Parlamentarier zu den Bundeswehrsoldaten am Stützpunkt Incirlik. Die türkische Regierung ist verärgert, weil Deutschland türkischen Soldaten Asyl gewährt hat. Weiterer Konfliktpunkt: Die Inhaftierung des Welt-Korrespondenten Deniz Yücel. Dem deutsch-türkischen Journalisten wird unter anderem Propaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK vorgeworfen.

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SZ.de/dpa/bemo/jael
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