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CSU-Chef:Don Quichotte oder Windmühle?

Und auch das ist typisch Seehofer: Er poltert laut, scheut aber die Konsequenz. Wenn ein Parteivorsitzender ernsthaft glaubt, die von ihm mitgetragene Regierung betreibe systematischen Rechtsbruch, dann muss er zuerst politisch reagieren und dies nicht auf das Verfassungsgericht abschieben.

Wenn also tatsächlich "das Unrecht" herrschen sollte, dann muss die CSU diese Bundesregierung verlassen. Dieser Vorwurf nämlich wiegt weit schwerer als die üblichen Differenzen in einer Koalitionsregierung. Es geht nicht um die Höhe des Mindestlohns, die Pkw-Maut oder das Betreuungsgeld. So wie Seehofer tönt, wirft er - was zum Beispiel auch die AfD gerne tut - der Bundeskanzlerin die Verletzung ihres Amtseids vor.

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Flüchtlingspolitik

SPD sieht "geistige Verwirrung" bei Seehofer

Nachdem er Merkels Flüchtlingspolitik als "Herrschaft des Unrechts" bezeichnet hatte, hagelt es Kritik für den CSU-Chef - aus vielen Richtungen.

Vielleicht dreht Seehofer auch so hoch, weil er glaubt, er könne nur so die besondere Stellung der CSU in Bayern gegen die neue Rechte verteidigen. Seehofer-Versteher führen an, auch Strauß und Stoiber hätten im Notfall die CSU mit Invektiven gegen jedermann, auch die CDU, verteidigt. Mag sein, aber Seehofer hat mittlerweile ein Stadium erreicht, in dem man nicht mehr weiß, ob er Don Quichotte ist oder nicht vielleicht selbst eine Windmühle.

Die Art, in der Seehofer seinen kollaborierenden Widerstand gegen die Regierung Merkel auslebt, mag ihm kurzfristig in Teilen der CSU Beifall verschaffen. Allerdings gründet sich der Erfolg der CSU in Bayern auch darauf, dass sie konservativ-liberale Wähler ähnlich anspricht wie Bodenständige.

Die CSU ist immer eine große Koalition in sich selbst gewesen. Ein Parteichef, der Parolen des Gegners nachbetet und einen Privatkrieg gegen die CDU-Chefin führt, gefährdet mittelfristig auch das Profil der CSU. Und was die Partei tut, wenn sie das Gefühl hat, ihre Chefs heben ab, haben zuletzt Stoiber und Beckstein/Huber drastisch erfahren. Seehofer war selbst einmal einer der Putschisten.

© SZ vom 11.02.2016
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