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Streit in der Piratenpartei:Typen statt stromlinienförmiger Menschen

Matthias Schrade

Matthias Schrade stellte seine Parteifreunde vor die Wahl: Entweder geht Ponader. Oder er.

(Foto: dpa)

Die Piraten gerieren sich gern als Partei der Nerds und Außenseiter, die keine stromlinienförmigen Politiker sind, sondern Typen. Dazu passt sowohl eine Marina Weisband, mit ihrer eher altertümlichen Kleidung, den verträumten Frisuren und der Sprache, die klingt, als sei sie fürs Theater gemacht. Oder auch einer wie Bruno Gert Kramm, der frisch gewählte Spitzenkandidat der Bayern, der in dem konservativen Bundesland allein durch seine bunt gefärbten Haare und seine verschiedensten Tätigkeiten für Bands der eher düsteren Sorte für Aufsehen sorgen wird.

Doch sowohl Weisband als auch Kramm sind bei aller Exzentrik keine Provokateure - sie sind Vermittler, Moderatoren. Keiner kann seinem Gegenüber die piratigen Ideale so lyrisch-idealistisch und voller Begeisterung nahe bringen wie Marina Weisband - selbst hartgesottene Gegner der Piraten werden in Gegenwart der 25-Jährigen in den pastellfarbenen Kostümen plötzlich zahm. Und Bruno Gert Kramm engagiert sich auf Podien, in Gesprächsrunden und in Vorträgen in einem der wichtigsten Kernfelder der Piraten: dem Urheberrecht. Seine Mitdiskutanten vor den Kopf zu stoßen, liegt ihm dabei fern. Der freundliche, stets lächelnde 45-jährige Ex-Grüne sucht den Ausgleich, die Gemeinsamkeiten - nicht die Konfrontation.

Davon ist Ponader meilenweit entfernt. Anders als Julia Schramm aber hat der politische Geschäftsführer nicht vor, aufzugeben. Die Fälle sind auch nur bedingt zu vergleichen: Schramm ist nach Meinung vieler Piraten mit dem Programm der Partei in Konflikt geraten, als sie ihr Buch bei einem großen Verlag veröffentlicht und dafür auch noch gerüchteweise einen hohen Vorschuss erzielt hat. Ponaders Kampagne gegen Hartz IV und für ein bedingungsloses Grundeinkommen hingegen ist vom Parteiprogramm zumindestens inhaltlich gedeckt. Bei dem Konflikt geht es allein um ihn, nicht ums Programm.

Die Piraten müssen sich also nun entscheiden: Wie viel Freak darf sein? Wollen wir provozieren - oder vermitteln? Der Ausgang dieses Machtkampfs ist dabei keinesfalls klar. Denn auch wenn die Gegner Ponaders im Moment lauter schreien und zudem die außerparteiliche Öffentlichkeit weitgehend auf ihrer Seite haben: In der Partei hat der politische Geschäftsführer zahlreiche Anhänger, um nicht zu sagen: Fans. Und die wollen Ponader genauso behalten, wie er ist.