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Streit der Weltgemeinschaft um Syrien-Konflikt:Syrer kämpfen - doch den Krieg führen andere

Die Lage scheint hoffnungslos: Syrien hat gleich drei Kriege parallel auszustehen. Im Inneren bekämpfen sich Diktator und Volk sowie Ethnien und Religionen. Außerhalb läuft das ganz große, geostrategische Kräftemessen. In Syrien wird längst ein Stellvertreterkrieg geführt: Washington und Europa gegen Moskau und Peking. Es ist eine absurde Wiederauflage der Logik des Kalten Krieges.

Wenn einer wie Kofi Annan das Handtuch wirft, muss die Lage wirklich hoffnungslos sein. Der Friedensnobelpreisträger ist bekannt für seine Engelsgeduld. Dennoch gesteht er ein, an seiner syrischen Mission gescheitert zu sein. Er beklagt, dass seine Vermittlungsversuche behindert wurden - von innerhalb und außerhalb der Vereinten Nationen.

Free Syrian Army fighters take a break from fighting with forces loyal to Syrian President Assad in downtown Aleppo

Von den Konfliktparteien sollte im Syrien-Konflikt keiner Einsicht erwarten. Das Szenario ist offener als je zuvor.

(Foto: REUTERS)

Damit meint er zunächst das Regime von Staatschef Baschar al-Assad. Damaskus hat die Bedingungen des Sechs-Punkte-Plans nicht einen einzigen Tag lang erfüllen wollen. Und die Aufständischen selbst haben ihren Kampf gezielt von den Provinzen in die Großstädte Damaskus und Aleppo verlagert, um dort die Entscheidung zu erzwingen. Das war keine vertrauensbildende Maßnahme, sondern eine Manifestation ihres kriegerischen Willens.

Von den Konfliktparteien sollte im Syrien-Konflikt keiner Einsicht erwarten. Das Szenario ist offener als je zuvor. Die Rebellen haben inzwischen eine wirkliche Chance, Assad zu stürzen und sein Regime zu zerschlagen. Währenddessen hofft der immer stärker isoliert wirkende Herrscher, den Aufstand in Damaskus und Aleppo niederkartätschen zu können.

Die derzeitige Pattsituation am Boden ist aber nicht allein das Ergebnis der Stärke oder Schwäche der Kriegsparteien. Sie wird zunehmend durch Einmischung von außen erwirkt. Das hat Annan gesehen, auch deshalb hat er den Brocken hingeworfen.

Die Blockadehaltung der Russen und Chinesen im Sicherheitsrat ist immer wieder kritisiert worden - als zynische Realpolitik unter Inkaufnahme von inzwischen mindestens 20.000 toten Syrern. Annan wird allerdings auch nicht ohne Grund an eben jenem Tag seinen Rücktritt verkündet haben, an dem die USA ihre verstärkte Unterstützung der Aufständischen signalisierten - angeblich zwar nicht mit Waffen, aber dafür mit Aufklärung, Kommunikationsmitteln und Geld.

Am Ende ist das Ergebnis das gleiche: Die Rebellen werden gestärkt. Gleichzeitig füllen Moskau und Teheran Assads Bestände an Granaten und Patronen auf. In Syrien wird längst ein klassischer Stellvertreterkrieg geführt.

So finden inzwischen drei Kriege parallel statt. Zu Beginn stand der Kampf eines Diktators gegen den verarmten Teil seines Volks, das um Freiheit und Würde ringt. Das Familien-Regime tritt die Rechte der Syrer seit vier Jahrzehnten mit Füßen. Das Volk begann deswegen seinen friedlichen Aufstand, der nun zur bewaffneten Rebellion mutiert ist.

Der zweite Krieg wird zwischen Syriens Ethnien und Religionsgruppen geführt. Die Mehrheit der Sunniten - es sind noch lange nicht alle - stehen gegen die staatstragenden Minderheiten der Alawiten, Christen und Schiiten. Viele der Minderheitler aber verlieren das Vertrauen in das Alawiten-Regime als Hüter ihrer Interessen. Doch ein Seitenwechsel garantiert keine Sicherheit.