Streit bei der Linken:"Nicht Ernst vergreift sich im Ton, sondern seine Kritiker"

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Ernst poltert, Lötzsch beschwichtigt - in der Antwort auf die Kritik Ramelows präsentiert sich die Linke ausgewogen. Dass die Parteispitze im Mai 2010 aus einem westdeutschen Mann und einer ostdeutschen Frau gebildet wurde, folgte dem gleichen Ziel. Doch an der Basis wird diese Art der Konsensfindung nicht mehr ausschließlich positiv gesehen.

Die Bundesvorsitzenden der Partei Die Linke, Gesine Lötzsch und Klaus Ernst

Angeschlagenes Führungsduo: Die Linke diskutiert über ihre Parteivorsitzenden Gesine Lötzsch und Klaus Ernst.

(Foto: dapd)

"Der Parteivorstand ist so gut austariert, dass in Berlin offenbar der Eindruck entsteht, man bräuchte die Basis gar nicht mehr befragen", sagt Rico Gebhardt, der Vorsitzende der Linken in Sachsen, im Gespräch mit sueddeutsche.de. Im mitgliederstärksten Landesverband der Partei sei der Eindruck entstanden, dass "der Vorstand nicht so aktiv ist, wie er sein muss. Und wenn sich eine andere Stimme zu Wort meldet, ist man dort gleich erschrocken."

Er teile die Einschätzung Bodo Ramelows, dass die Programmdebatte "offen und ehrlich" geführt werden müsse, sagte Gebhardt. Andernfalls drohe der Linken das gleiche Schicksal wie der SPD, die durch die Politik des damaligen Bundeskanzlers Schröder an Glaubwürdigkeit verloren habe: "Wir müssen die Leute mit- und ernstnehmen. Sonst endet das wie bei Schröder", sagte Gebhardt.

Ein "Führungsproblem" sehe er derzeit jedoch nicht, betonte der sächsische Landesschef: "Aber die Ergebnisse der Landtagswahlen 2011 sind natürlich ein Maßstab".

Gebhardts Parteigenosse Bodo Ramelow bemühte sich derweil, den Eindruck zu zerstreuen, er plane gemeinsam mit anderen Ost-Verbänden einen Putsch gegen Klaus Ernst: Die Frage nach dem Vorsitzenden stelle sich 2011 nicht, sagte Ramelow der Süddeutschen Zeitung: "Niemand hat die Absicht, einen Parteivorsitzenden auszuwechseln." An der kolportierten Bereitschaft, für den Vorsitz zu kandidieren, sei nichts dran.

Allerdings attackierte Ramelow nun erneut Ernst für die Äußerungen, die der in der Süddeutschen Zeitung am Dienstag gemacht hatte: Ernst hatte unter anderem erklärt, in den ostdeutschen Landesverbänden gebe es einige, die sich nicht damit abfinden könnten, dass es die alte PDS nicht mehr gebe. "Diese Leute" hätten durch die Fusion von westdeutscher WASG und ostdeutscher PDS an "Einfluss verloren", sagte der Parteichef. Ramelow fand das empörend: "Was ist denn das für eine Tonart?", fragte er.

Wagenknecht verbittet sich im Gespräch mit sueddeutsche.de Vorwürfe gegen Ernst: "Nicht Klaus Ernst hat sich im Ton vergriffen, sondern seine Kritiker." Er habe nicht die ostdeutschen Landesverbände kritisiert, seine Anmerkungen bezögen sich auf einzelne Personen. Wagenknecht: "Er machte klar, dass die Mehrheit der Partei in Ost wie West hinter dem Kurs der Linken steht - so sehe ich das auch."

Ohne Ramelow beim Namen zu nennen, erklärt Wagenknecht, es sollte Grundprinzip sein, jemandem Kritik ins Gesicht zu sagen. Die Vize-Parteichefin ärgert sich über die anhaltende Kritik an Ernst aus den eigenen Reihen: "Eine kleine Minderheit von Funktionsträgern" versuche seit mehr als einem halben Jahr, "Klaus Ernst mit Unterstellungen und Unwahrheiten über die Medien zu demontieren", sagt Wagenknecht und fügt hinzu: "Das ist ein unmöglicher Umgang."

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