Streit bei der Linken:Wagenknecht wittert Ernst-Demontage

Lesezeit: 3 min

Die Linken-Spitze schießt zurück: Der Vorsitzende Klaus Ernst nennt die Vorwürfe gegen seine Person "Unsinn", Parteivize Sahra Wagenknecht geißelt die Angriffe. Und der Osten ist in Aufruhr.

Michael König und Oliver Das Gupta

Bodo Ramelow hatte am Mittwoch einige Schlagzeilen für sich. Seine Kritik an der "Wagenburgmentalität" des Parteivorstands im Programmstreit lief am Morgen über die Ticker der Nachrichtenagenturen. "Wenn der Vorstand weiter so agiert, müssen wir auf dem Erfurter Parteitag im Oktober 2011 ehrlich über Konsequenzen reden", sagte Ramelow der Thüringer Allgemeinen demnach. Namentlich im Visier: Klaus Ernst, die männliche Hälfte des Führungsduos. Und die Mitteldeutsche Zeitung berichtete, Ramelow stehe für eine Kandidatur bereit. Das alles klang nach Putsch.

Sitzt für die Linkspartei im Bundestag: Sahra Wagenknecht

Sitzt für die Linkspartei im Bundestag: Sahra Wagenknecht

(Foto: ddp)

Die Zielpersonen seines Angriffs wollten sich zunächst nicht äußern. Erst mit einem Tag Verspätung reagierte die linke Parteiführung. Die Parteivorsitzende Gesine Lötzsch mahnte zur Geschlossenheit, ihr männliches Pendant Klaus Ernst antwortete weniger diplomatisch.

Der seit Monaten in der Kritik stehende Parteichef Ernst sagte der Chemnitzer Freien Presse, es bringe überhaupt nichts, wenn die Debatte über die Ausrichtung der Partei "durch unüberlegte Äußerungen und Denunziationen belastet" werde. "So verhindert man offene Diskussionen."

Ramelow hatte dem Führungsduo Lötzsch und Ernst vorgeworfen, eine offene Debatte über das künftige Programm der Partei zu verhindern: "Wir brauchen keine Debatte übers Maulhalten." Der Entwurf für ein neues Parteiprogramm dürfe nicht von vornherein für "sakrosankt" erklärt werden und "nur aus roten Linien bestehen", sagte er sueddeutsche.de.

Als "Unsinn" bezeichnete Ernst diesen Vorwurf. Niemand habe den Entwurf für ein neues Grundsatzprogramm für sakrosankt erklärt. "Es gibt offene Diskussionen und danach demokratische Entscheidungen", versicherte Ernst.

Die stellvertretende Vorsitzende Sahra Wagenknecht stützt Ernsts Position im Gespräch mit sueddeutsche.de: "Es steht jedem frei, sich hinzusetzen und Vorschläge einzubringen."

Der Programm-Entwurf sei "an sich schon ein Kompromiss, den wir nun verbessern und konkretisieren". Seine Grundrichtung sei der bewährte Kurs: "Klares Profil statt Anbiederung an andere Parteien, klare Ablehnung von Krieg, Sozialabbau und Privatisierungen." Die Linke sei eine antineoliberale und antikapitalistische Partei. "Einige wenige allerdings versuchen, medial den Entwurf zu verreißen", erklärt die Bundestagsabgeordnete, die Mitglied der Programmkommission der Linken ist. "Wer den Entwurf ändern wolle, möge das begründen."

Co-Parteichefin Lötzsch äußerte sich ähnlich wie zuvor Ernst: Eine "muntere Diskussion" sei "gut und richtig", sagte sie am Donnerstag im ZDF-Morgenmagazin. Sie gehe aber davon aus, dass die Partei geschlossen in die Landtagswahlkämpfe des Jahres 2011 gehe und dabei die guten Erfahrungen aus Ost und West zusammentragen werde: "Wenn es darauf ankommt, stehen wir zusammen", sagte Lötzsch.

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