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Streik:Weselsky lässt Bahn-Chef auflaufen

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Profil des abgelehnten Streik-Schlichters Matthias Platzeck

Vorstand Grube will Ex-Ministerpräsidenten Platzeck als Vermittler. Der GDL-Boss spricht von einem "Treppenwitz".

Von Daniela Kuhr, Berlin

Im Tarifkonflikt mit der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) will die Deutsche Bahn einen neutralen Vermittler einschalten. Der frühere brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) solle mit an den Verhandlungstisch und als "unabhängige Persönlichkeit" an den Gesprächen mit der GDL teilnehmen, sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube am Mittwoch in Berlin. Die Gewerkschaft könne ebenfalls eine Person ihres Vertrauens hinzuziehen. Voraussetzung sei, dass der Streik "augenblicklich beendet" werde.

GDL-Chef Claus Weselsky reagierte empört auf den Vorstoß. Es handle sich um nichts weiter als einen "PR-Gag". Besonders verärgert zeigte er sich darüber, dass die Bahn angeblich zuerst die Medien informiert habe, bevor der Vorschlag bei der GDL eingegangen sei. Das sei der "Treppenwitz der Geschichte". Die Bahn dagegen behauptet, der Vorschlag sei noch vor der Pressekonferenz an Weselsky und die GDL gesandt worden. Das gehöre "zum guten Stil", sagte Grube. Die GDL will sich nun mit der Prüfung Zeit lassen. Nach jetzigem Stand aber gebe es keinen Grund, den Streik, der bis Sonntagmorgen dauern soll, vorzeitig abzubrechen, sagte Weselsky mittags bei einer Kundgebung in Köln.

Grube begründete seinen Vorschlag damit, dass die GDL zu einer Schlichtung derzeit offenbar "noch nicht bereit" sei. "Dann wollen wir wenigstens auf einem anderen Weg vorankommen." Es gehe um "Deeskalation und Befriedung der Gesamtsituation". Für Platzeck habe man sich entschieden, weil er eine Persönlichkeit sei, "die beiden Parteien neutral und objektiv gegenübertreten" könne. "Der Respekt und die Wertschätzung, die Herr Platzeck Menschen gegenüber zeigt, hat uns überzeugt, dass er der Richtige ist." Der SPD-Politiker habe bereits "spontan zugesagt".

Ziel sei, künftig "unterschiedliche Interpretationen und Streit über Sitzungsergebnisse" zu vermeiden. In der Vergangenheit hatten die Verhandlungspartner die erzielten Fortschritte oft sehr unterschiedlich bewertet. Während die Bahn mehrmals annahm, kurz vor einem Abschluss zu stehen, warf die GDL ihr vor, auf Zeit zu spielen. Die Gewerkschaft vermutet, die Bahn wolle die Verhandlungen hinauszögern, bis im Sommer das geplante Tarifeinheitsgesetz in Kraft tritt, das Spartengewerkschaften entmachtet. Um diesen Vorwurf zu entkräften, sicherte Personalvorstand Ulrich Weber der GDL am Mittwoch erneut zu, das Gesetz nicht anzuwenden. Wenn die Vorschriften in Kraft träten, werde man so tun, als gäbe es sie gar nicht. "Wir möchten, dass die GDL eine Langfrist-Perspektive im DB-Konzern hat."

Im Kern dreht sich der Tarifkonflikt darum, dass die GDL erstmals nicht nur für Lokführer verhandeln will, sondern auch für Zugbegleiter, Bordgastronomen und Lokrangierführer - Berufsgruppen, in denen allerdings die größere Eisenbahngewerkschaft EVG die Mehrheit hat. Die Bahn muss also mit zwei Gewerkschaften parallel verhandeln. Personalchef Weber sagte, das habe man bei Zugbegleitern und Bordgastronomen zuletzt hinbekommen. Es hake nur bei den Lokrangierführern. Doch auch da "kann ich mir faire Kompromisse vorstellen".

© SZ vom 07.05.2015
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