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Streik:Sie sollten es wert sein

Die Arbeitgeber sind mitschuld an geschlossenen Kitas.

Von Benedikt Peters

Es ist verständlich, wenn sich Eltern ärgern, dass die Kita schon wieder geschlossen ist, oder wenn Pendler zürnen, dass die Bahn nicht fährt. In diesen Corona-Monaten mussten viele Menschen viel aushalten, gerade Eltern, deren Kinder oft monatelang zu Hause waren. Wenn sie ihren Ärger nun aber nur an den Beschäftigten und der Gewerkschaft Verdi auslassen, begehen sie einen Fehler.

Verdi hat zu Warnstreiks aufgerufen, weil die Gewerkschaft in gleich zwei Tarifkonflikten nicht weiterkommt. Sie fordert höhere Löhne im öffentlichen Dienst - für Pflegekräfte, Erzieher, Müllwerker etwa - und einheitliche Arbeitsbedingungen für Tram- und Busfahrer. Die Arbeitgeber mauern, offenbar mit dem Kalkül, dass sich in diesem Herbst niemand traut, den Arbeitskampf aufzunehmen.

Man kann den Zeitpunkt der Streiks kritisieren. Doch dafür ist nicht allein Verdi verantwortlich. Die Arbeitgeber haben es abgelehnt, die Tarifrunde zu verschieben. Ihr Grundrecht auf Streik üben die Beschäftigten bisher behutsam aus. Kein Krankenhaus muss den Betrieb einstellen, Kitas sind, wenn, dann nur kurz geschlossen, auch Bahnen fahren bald wieder. In vielen Städten merken die Menschen nun, wie dringend sie Erzieher, Tramfahrerinnen, Krankenschwestern brauchen. Sie sollten daher auch besser bezahlt werden.

© SZ vom 29.09.2020
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