(SZ) Eine Wette anzubieten, sie einzugehen und mit einem hohen oder wenigstens spektakulären Einsatz reizvoll zu machen, ist meistens recht unterhaltsam. Der Wettbieter ist sich seiner Sache sicher, er fordert diejenigen heraus, die eine Entwicklung anders einschätzen, und kokettiert gewissermaßen mit dem Risiko, das er damit eingeht. Die verlorene und unter Entbehrungen eingelöste Wette ist im Ergebnis immer ein bisschen niederdrückend, weil in ihr eine fast mittelalterliche Sühnefantasie aufschimmert. Dies gilt besonders dann, wenn die Wettstrafe am eigenen Körper vollzogen werden muss. Sehr eindrucksvoll ist dies jetzt bei der FDP-Generalsekretärin Nicole Büttner zu besichtigen, die kurz vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg angekündigt hatte, sie werde sich die Haare bis auf die Glatze herunterschneiden lassen, sollte ihre Partei den Einzug in den Landtag verfehlen. Der Wahlausgang ist bekannt und die Glaubwürdigkeit von Politikern gilt als volatil, jedenfalls bei einem großen Teil der deutschen Bevölkerung.
GlosseDas Streiflicht
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Eine Politikerin verliert eine Wette und rasiert sich den Kopf. Ist es sinnvoll, sich selbst eine Allegorie für den eigenen Untergang zu basteln?