GlosseDas Streiflicht

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Von Nagelsmann lernen heißt: Ein echter Boss macht dem Low Performer klar, dass der ein blindes Huhn bleibt, selbst wenn er ausnahmsweise etwas Vernünftiges zustande bringt.

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(SZ) Nicht geschimpft ist Lob genug! So hieß es früher, als ein echter Chef seine Mitarbeiter noch nicht Mitarbeitende nennen musste und diese nicht wie Schneeflöckchen zergingen, wenn er mal Klartext mit ihnen redete: Herr Müller, Konferenzbeginn um 9 Uhr heißt nicht 9.01 Uhr, was genau ist daran nicht zu verstehen? Frau Mayer, können Sie mir erklären, warum Ihre Leistung diese Woche mit bloßem Auge nicht mehr erkennbar ist? Solche Sätze sind verlangt, wenn man als Chef respektiert werden will. Und wenn ein blindes Huhn in der Belegschaft doch mal ein Korn findet? Dann macht ein richtiger Boss dem Low Performer klar, dass er ein blindes Huhn bleibt, selbst wenn er, wahrscheinlich durch reinen Zufall, ausnahmsweise etwas Vernünftiges zustande bringt. Soll bloß nicht abheben, der Bursche.

Vor diesem gesellschaftlichen Hintergrund ist es unbedingt zu loben, dass Bundestrainer Julian Nagelsmann dem eingewechselten Deniz Undav, der das Siegtor gegen Ghana schoss und in der Liga ständig trifft, umgehend die Grenzen aufzeigte. Der junge Mann soll bloß nicht denken, er habe Ansprüche zu stellen, nur weil er mal richtig da stand, wo der Ball ankam. Der Deniz, ließ der Übungsleiter der Nationalmannschaft wissen, habe dann gute Aktionen, „wenn der Gegner schon ein wenig müde ist“, ihn aber von Beginn an aufzustellen, verbiete sich, weil er dann „so viel arbeiten müsse“. Recht so. Nur wenn Untergebene nach einem freundlichen Wort lechzen, bringen sie das, was man von ihnen verlangt. Darum sagt die Lehre vom echten Chef: Sprich dieses Wort niemals aus.

Bedauerlicherweise geht der Trend in die Gegenrichtung. Männer wie Otto Schily, wir erinnern uns, einst SPD-Innenminister, der rote Sheriff, warfen noch Aktenordner nach begriffsstutzigen Referenten, um deren Performance durch Wirkungstreffer zu erhöhen. Schade, dass Ina Scharrenbach bei der Anhörung im Bauausschuss des nordrhein-westfälischen Landtages so enttäuschend aufgetreten ist. Scharrenbach war im Sinne einer wohlverstandenen Mitarbeiterführung von ganz oben nach unten eine gewisse Hoffnung. Nur weil sich die CDU-Bauministerin in ihrer Amtsführung konsequent an Schilys Motto gehalten hat, „In meinem Hause darf jeder das machen, was ich will“, warfen ihr die üblichen Querulanten demotivierendes Verhalten und Mobbing vor. Statt aber jedem, der so etwas sagt, zu bedeuten, sein Verhalten werde noch Konsequenzen haben, warte nur ab, Bürschchen, wir sehen uns noch – was tat sie? Ina Scharrenbach rang vor dem Ausschuss selbst mit den Tränen, als man sie mit den Vorwürfen konfrontierte. Dabei wissen wir Führungskräfte doch alle, was zu sagen ist, wenn Unterlinge auf die Tränendrüse drücken: Mit Heulen bringst du die Arbeit auch nicht voran. Es ist wirklich kein Wunder, dass in diesem Land nichts mehr klappen will.

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