Man könnte sich als „Streiflicht“-Autor jetzt selbst zujubeln, ein stoiberndes Glas Sekt aufmachen und mit der spaßbereiten Leserwelt auf 80 Jahre Humor und Heiterkeit in der Süddeutschen Zeitung anstoßen. Damit würde man sicher hier Beifall und dort zustimmendes Lächeln ernten, aber letztlich hätte man doch der historischen Wahrheit gegenüber zu wenig Sorgfalt walten lassen.
Es fängt schon beim Jubiläum an, in welches sich das „Streiflicht“ ein bisschen keck hineindrängt. Es ist nämlich noch keine 80 Jahre alt, sondern erst ein wenig über 79. Das erste „Streiflicht“ erschien am 12. Juni 1946, und bei der Wiederlektüre wäre man schon bei der zweiten historischen Ungenauigkeit angelangt: Lustig war das nicht, was Franz Josef Schöningh damals rechts oben auf der ersten Seite über den Föderalismus (den es in Deutschland noch gar nicht gab) geschrieben hatte. Das sollte es wohl auch nicht sein, die Zeiten waren schwer, und der SZ-Herausgeber Schöningh hatte in erster Linie Volksaufklärung als Entertainment im Sinn.
Im Laufe der Jahrzehnte gelang es den nachfolgenden Autoren, Aufklärung und Witz auf jene unverwechselbare Weise zusammenzurühren, die aus dieser täglichen Unternehmung eine Art ironisches Editorial der SZ gemacht hat. „Drei Absätze: Einleitung, Hauptteil, Schluss. Das hat sich bewährt, das schafft die Verbindung sowohl zum Schulaufsatz als auch zu den Triptychen alter Meister.“ So hat Hermann Unterstöger, selbst ein unverwechselbarer Meister, Gestalt und Geist des Streiflichts beschrieben. Bevor also die schlimmen Weltereignisse vor das Leserauge treten, dürfen sich die Sinne ein wenig locker machen. Das haben sich, gerade in diesen Zeiten, die Leser und die „Streiflicht“-Autoren redlich verdient.

