GlosseDas Streiflicht

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Früher haben die Wirte ihren Gästen noch mit Eleganz  das Geld aus der Tasche gezogen. Heute muss man als Gast liefern: schnell essen und trinken und noch schneller zahlen.

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(SZ) Auf seiner Wanderung durch Mainfranken erreichte Kurt Tucholsky 1927 mit seinen Freunden Jakopp und Karlchen die Lichtenau, dort liegt einsam das traditionsreiche und glücklicherweise noch heute bestehende Gasthaus im Hochspessart. Die drei Herren probierten eine Flasche Steinwein und befanden, diese möpsele: „Herr Wirt! Drohend naht er sich. Nun heißts Mut gezeigt! Auf und drauf!“ Es entspann sich eine lebhafte Kontroverse. „Der Wein ist gut!“, befand der Wirt. Er lügt, schreibt Tucholsky: „Man kann es in seinen Augen sehen, in denen seltsame Dinge vorgehen.“ In dieser kleinen Begebenheit aus dem tiefen Wald lässt sich noch ein altertümliches Verhältnis von Wirt und Gast – oder Gästin, wie man unter Friedrichshainer Akademikern sagt – erkennen. Der möpselnde Steinwein, die schlecht eingeschenkte Mass oder die einst von Wiesnwirt Richard Süßmeier geschilderte Kunst, aus einem Hendl drei halbe zu machen – all diese Listen waren doch Angebote zu einem fairen Kampf. Die Kontrahenten begegneten sich auf Augenhöhe: Der Wirt verfolgte das klare Ziel, den Gästen so viel Geld wie möglich aus der Tasche zu ziehen, diese hielten die Tasche so eng wie möglich zu.

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