Glosse„Seid ihr so was wie ’ne Sekte?“

Lesezeit: 2 Min.

Der Habeck ist schuld! Ex-FDP-Chef Christian Lindner im Mai auf dem Parteitag der Liberalen.
Der Habeck ist schuld! Ex-FDP-Chef Christian Lindner im Mai auf dem Parteitag der Liberalen. (Foto: Lisi Niesner/REUTERS)

Wie die FDP erstmals in ihrer Geschichte Fehler eingestehen und den Menschen draußen im Lande zuhören wollte: Das geheime Streiflicht-Protokoll.

(SZ) Im Mahlstrom der Weltgeschehnisse ist ein deutsches Ereignis beinahe untergegangen, das in normalen Zeiten als sensationell gelten dürfte: Erstmals in ihrer Geschichte suchen die deutschen Liberalen Fehler bei sich. Zu diesem außergewöhnlichen Schritt entschloss sich die FDP nach Angaben gut unterrichteter Kreise, weil sie sonst Gefahr liefe, in dieser Geschichte so schnell zu verschwinden wie zuletzt aus dem Deutschen Bundestag. Die Partei entsandte zum Zweck der Selbsterforschung Mitglieder hinaus ins Land, um die Wünsche der Menschen an einen modernen Liberalismus zu erkunden. Die Emissäre berichteten allerdings von niederschmetternden Erfahrungen: „FDP, wattn datt?“ (Ruhrgebiet). „Seid ihr so was wie ’ne Sekte?“ (Hamburg, Jugendklub). „Freie und Deutsche Partei? Geil!“ (Sachsen-Ost). „FDP? Ja, da war einmal etwas – ich fürchte, diese Partei ist mit dem Westen untergegangen“ (Heinrich August Winkler, Historiker, Berlin). Ein weiterer Liberaler berichtete verstört, ein Mann sei am Bürgerstand auf ihn zugekommen und habe gesagt: „Was ist der Unterschied zwischen einem Smart und der FDP? Der Smart hat noch zwei Sitze.“

Die Streiflicht-Redaktion ist in den Besitz geheimer Protokolle der Kommission Strategiefehler gelangt, welche diese Rückmeldungen auswertete. Im Folgenden wird daraus zitiert, zunächst eine Einlassung von Wolfgang Kubicki: Man müsse den Wählern klarmachen, dass das politische Personal der Republik ohne die FDP und speziell ohne ihn, Kubicki, nur aus historischen Totalausfällen bestehen würde. FDP-Chef Christian Dürr ergänzte: „Liebe Parteifreundinnen und Parteifreunde, Verantwortung ist das Leitprinzip eines zeitgemäßen Liberalismus. Wir müssen daher klar benennen, wer die Verantwortung dafür trägt, dass die Wählerinnen und Wähler im Lande unsere überzeugende Botschaft der permanenten Steuersenkung für Besserverdiener und Leistungsträger nicht hören wollten. Ich kann jedenfalls nichts dafür, weil ich damals nur Fraktionschef war. Mein Vorgänger hingegen ...“, (hier notiert das Protokoll einen Zwischenruf von Lindner, Christian: „Der Habeck ist an allem schuld!“). Christian Dürr weiter: „Noch ist nichts verloren. Wir sind die Partei mit dem größten Potenzial an zusätzlichen Wählerstimmen, nämlich 95,7 Prozent ... ja bitte, Frau Büttner?“ Generalsekretärin Nicole Büttner: „Diese Menschen müssen das Gefühl haben, dass Politik sie ernst nimmt und Lösungen für ihre alltäglichen Herausforderungen findet.“

An dieser Stelle vermerkt das Protokoll Gelächter und Unruhe im Saal. „Wo kämen wir denn da hin!“ „Das haben wir noch nie so gemacht!“ Die letzte Notiz zitiert noch einmal Christian Dürr: „Vielleicht gehen wir bei aller Selbstkritik doch nicht so weit. Fördern und Fordern, liebe Freude, aber nicht Überfordern!“ (Ende der Beratungen).

Glosse
:Wie steigert man „Totalausfall“? Wolfgang Kubicki weiß Rat

Glaubt man dem FDP-Raubein, gab es niemals in der Geschichte einen größeren Versager als Berlins Regierenden Bürgermeister. Aber was soll man dann über die Liberalen sagen? Das Streiflicht.

SZ Plus
© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Gutscheine: