(SZ) Es gehört zur Tradition ehemaliger Regierungschefs, sich hin und wieder mit Zwischenmeldungen zur jeweiligen Lage ins Gedächtnis der Welt zu rufen. Helmut Schmidt hat das eigentlich regelmäßig getan. Entweder wurde er von seinem Eckermann bei der Zeit oder von seiner Eckerfrau bei „Maischberger“ dazu eingeladen. Gerhard Schröder, der mit Helmut Schmidt weniger gemeinsam hat, als er vermutlich selber glaubt, wird dementsprechend weniger eingeladen, eine Einschätzung der Welt- oder welcher Lage auch immer zu geben. Ein weiterer, vermutlich der entscheidende Grund ist aber wohl, dass Gerhard Schröder nicht von der Ansicht abrücken möchte, Wladimir Putin sei eigentlich ein ganz passabler Kerl, und man möge doch ein bisschen milder mit ihm umgehen. Natürlich ist Schröders Rhetorik doppelbödig genug, um mit seiner Apologie des geächteten Putin auch ein wenig sich selbst zu meinen. Schröder ist nicht einmal ansatzweise so böse wie Putin, aber das Unselige an Schröders aktuellem Beitrag zur Zeitgenossenschaft ist ja, dass er Putin auch nicht für böse hält, jedenfalls nicht für so böse, wie ihn Menschen halten, die von ihm um ihre Existenz gebombt werden. Man solle Russland nicht „dämonisieren“, sagte Schröder neulich irgendwem. Russland ist Putin! Jedenfalls sagen das alle, die schon seit drei Jahren sagen, man dürfe Schröder einfach nicht mehr einladen.
GlosseDas Streiflicht
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Man dürfe nicht dämonisieren, sagen ein paar Teufelskerle von gestern. Man sollte sie ernst nehmen, denn sie kennen sich zuweilen mit der Hölle aus.