GesundheitspolitikStreeck löst mit Vorschlag zur Versorgung alter Menschen Empörung aus

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Hendrik Streeck (CDU) gibt ein Pressestatement in seiner Funktion als Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen im Bundesministerium für Gesundheit. (Archivbild)
Hendrik Streeck (CDU) gibt ein Pressestatement in seiner Funktion als Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen im Bundesministerium für Gesundheit. (Archivbild) (Foto: Michael Kappeler/dpa)

CDU-Politiker Hendrik Streeck stellt teure Medikamente für Hochbetagte infrage. Dafür erntet er deutliche Kritik, Patientenschützer sind alarmiert.

Der CDU-Gesundheitspolitiker und Drogenbeauftragte der Bundesregierung Hendrik Streeck hat die Frage aufgeworfen, ob man sehr alten Menschen noch besonders teure Medikamente verordnen sollte und hat damit deutlichen Widerspruch ausgelöst.

In der Talksendung „Meinungsfreiheit“ des Senders Welt TV sagte Streeck, es brauche in der medizinischen Selbstverwaltung klarere Richtlinien bei der Vergabe von Medikamenten mit Blick auf allgemeine Gesundheitskosten.

„Es gibt einfach Phasen im Leben, wo man bestimmte Medikamente auch nicht mehr einfach so benutzen sollte“, so Streek. Dabei verwies der Mediziner beispielhaft auf eine teure Krebstherapie bei einer 100-Jährigen und auf Erfahrungen, die er in der letzten Lebensphase seines Vaters gemacht habe. Kritik für seinen Vorstoß erntet Streeck aus verschiedenen politischen Lagern, auch Patientenschützer sind alarmiert. Der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) schreibt auf X, dass eine Altersrationierung teurer Medikamente ethisch unhaltbar und unnötig sei.

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Harsche Kritik kommt auch vom Mediziner und gesundheitspolitischen Sprecher der Grünen im Bundestag, Janosch Dahmen. Rechtlich, medizinisch und ökonomisch sei der Vorschlag von Hendrik Steeck Unfug, schreibt Dahmen auf der Plattform X.

Nicht das Alter entscheide über Nutzen und Kosten einer Therapie, sondern die Nähe zum Lebensende – bei 60-Jährigen ebenso wie bei 100-Jährigen. „Wer trotzdem Altersgrenzen fordert, verkennt die Grundlagen moderner Medizin und des Grundgesetzes“ schreibt Dahmen.

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:Streecks Vorstoß ist ungelenk – aber richtig

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Der stellvertretende FDP-Chef Wolfgang Kubicki schreibt auf X, ein älterer Mensch habe genau denselben Anspruch auf eine gute medizinische Versorgung wie ein junger. „Man muss über Effizienz im Gesundheitssystem reden, aber dieser kalte Zynismus von Hendrik Streeck stößt mich ab und steht im Widerspruch zu den fundamentalen Werten, auf denen dieses Land fußt“, schreibt Kubicki unter Verweis auf den ersten Artikel des Grundgesetzes.

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Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz weist Streecks Vorstoß vehement zurück. „Jeder hat den gesetzlichen Anspruch auf eine bestmögliche Medikamentenversorgung. Ob das eine maximale oder palliative Therapie ist, hängt dabei sowohl vom Angebot als auch dem Willen des Patienten ab. Kosten und Alter dürfen keine Ausschlusskriterien sein“, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, am Donnerstag in Berlin. Anstatt sozialen Unfrieden zu stiften, solle sich Streeck auf seine Kernaufgaben der Drogenbekämpfung konzentrieren, fordert Brysch.

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