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Ibiza-Video:Strache muss zu Recht gehen

Heinz-Christian Strache bei seiner Presseerklärung am Samstagmittag in Wien

(Foto: AP)

Noch auf seiner Rücktritts-Pressekonferenz versucht Heinz-Christian Strache, sich als Opfer dunkler Machenschaften darzustellen. Das ist Unsinn.

Relativ früh an diesem Abend auf Ibiza, der den österreichischen Vizekanzler jetzt zu Fall bringt, sagt Heinz-Christian Strache, er wolle die FPÖ noch zwanzig Jahre führen. Es ist anders gekommen. Am Samstagmittag ist der Wiener Rechtspopulist von allen Ämtern zurückgetreten, ebenso sein Adlatus Johann Gudenus, der auf Ibiza gemeinsam mit Strache die Verhandlungen mit der angeblichen Nichte des russischen Oligarchen geführt hat.

Wer sich Straches Pressekonferenz angesehen hat, erlebte einen sichtlich erschütterten Mann, der sich mit teils brüchiger Stimme für sein Fehlverhalten entschuldigte. Es sei "dumm" gewesen, ein "Fehler", er habe sich "wie ein Teenager" und mit "Machogehabe" benommen - er entschuldigt sich sogar bei seiner Frau für sein Verhalten. Zugleich beklagt er ein "politisches Attentat" und attackiert selbst die Macher des Videos.

Es ist eine durchaus typische Art der Rechtfertigung: Strache versucht den Schaden einzugrenzen. Nur an diesem Abend hätte er sich falsch verhalten, er schiebt es auf den Alkohol und die "lockere Urlaubsatmosphäre" - aber schuld seien letztlich die anderen, die, die ihm diese Falle gestellt haben. Aber das ist Unsinn, und zwar gleich auf mehreren Ebenen.

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Strache hatte die Wahl

Heinz-Christian Strache hätte an diesem Abend aufstehen können und gehen, als die beiden Lockvögel zum ersten Mal Gegenleistungen forderten, die ein ehrlicher und an Recht und Gesetz interessierter Politiker in einer Demokratie nicht geben darf. Niemals geben darf. Nie, nie, nie. Aber Strache ist sitzen geblieben.

Alkohol hat ihm möglicherweise gegen Ende des mehr als sechsstündigen Gesprächs die Sinne getrübt - aber Heinz-Christian Strache wollte schon früh an diesem Abend wissen, wie der angebliche Kauf der Kronen-Zeitung vorangehe, den die angebliche russische Millionärin in Aussicht gestellt hatte. Ob es da Konkretes gäbe, fragte er.

Vor allem aber: Dieser Abend steht nicht alleine. Er wurde über Monate vorbereitet von Straches engstem politischen Verbündeten Johann Gudenus. Strache war offenbar auch gebrieft - wie sonst hätte er einleitend fragen können, was "da schon vorangeschritten" sei? Nein, Heinz-Christian Strache ist kein Opfer von dunklen Machenschaften. Er war offenbar empfänglich für korrupte Angebote. Deswegen musste er völlig zu Recht zurücktreten.

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Heinz-Christian Strache, FPÖ-Politiker und Vizekanzler, traf sich im Juli 2017 auf Ibiza mit einer angeblichen russischen Multimillionärin. Sie bot Wahlkampfhilfe, er staatliche Aufträge. Was er nicht wusste: Er wurde reingelegt - und mit versteckter Kamera gefilmt. Jetzt trat er von all seinen Ämtern zurück.