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Störfälle:Die schlimmsten Atompannen

Die Geschichte der Störfälle in Atomkraftwerken ist fast so lang wie die Geschichte der Kernkraftwerke. Tschernobyl und Harrisburg waren die schlimmsten Fälle, doch auch in Mitteleuropa gab es schon viele größere Pannen.

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atomkraftwerk krümmel vattenfall

Quelle: SZ

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Krümmel (Deutschland) 2007/2009

Im Atomkraftwerk Krümmel brannte am 28. Juni 2007 ein Transformator, das Feuer konnte erst nach zwei Tagen vollständig gelöscht werden. In der Folge war der Meiler 30 Kilometer südlich von Hamburg fast zwei Jahre lang nicht in Betrieb. Nach mehr als 200 technischen Änderungen erteilte das für die Atomaufsicht zuständige schleswig-holsteinische Sozialministerium dem Betreiber Vattenfall am 19. Juni 2009 die Genehmigung zum Wiederanfahren des Reaktors. Nach zwei weiteren Störfällen innerhalb von nur zwei Wochen gab es am 4. Juli 2009 wegen einer Störung in einem Maschinentransformator eine Reaktorschnellabschaltung.

Die Schnellabschaltung führte in Hamburg zu massiven Störungen und Einschränkungen. Rund 1500 von 1800 Ampelanlagen fielen vorübergehend aus. Die Wasserversorgung wurde durch ausfallende Pumpen und darauffolgende Wasserrohrbrüche im Westen der Stadt beeinträchtigt; Tausende Hamburger waren in der Nacht ohne Wasser. Auch die Aluminiumwerke und die Stahlwerke waren von Stromausfällen betroffen. Geldautomaten funktionierten nicht mehr.

Das Atomkraftwerk Krümmel ging erstmals im Jahr 1983 in Betrieb.

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Majak (Sowjetunion) 1957

Am 29. September 1957 explodierten auf dem Gelände des sowjetischen Kernkraftwerks Majak bei Tscheljabinsk im Ural Tanks mit radioaktivem Abfall. Die Belastung der Gegend um den Ort Kyschtym entsprach nahezu der doppelten Menge des Tschernobyl-Unfalls 29 Jahre später.

Da sich die Kontamination auf den Ural beschränkte, erfuhr die Weltöffentlichkeit erst 30 Jahre nach der Katastrophe von dem Unfall. Laut Zeitzeugen soll die Explosion noch Hunderte Kilometer entfernt als heller Schein am Himmel zu sehen gewesen sein.

Foto: AP

Kernkraftwerk Sellafield, AP

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Sellafield (Großbritannien) 1957

Am 7. Oktober 1957 kam es im Kernkraftwerk Windscale-Sellafield zum einem Brand, der vier Tage lang dauerte, radioaktive Gase konnten in die Atmosphäre entweichen. Die Milcherzeugung in einem Gebiet von 520 km² wurde verboten. In den folgenden Jahren wurden die Reaktoren Nr. 1 und 2 abgeschaltet. Mit der völligen Stilllegung der abgeschalteten Reaktoren wurde 1990 begonnen, und erst 1999 beendet. Der Unfall wird später für Dutzende Krebstote verantwortlich gemacht.

Auf der heute gültigen siebenstufigen Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse wird dieser Unfall als Ernster Unfall (Stufe 5) eingestuft.

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Harrisburg (USA) 1979

Im Kernkraftwerk "Three Mile Island" bei Harrisburg im US-Bundesstaat Pennsylvania fiel 1979 die Reaktorkühlung aus - Maschinenteile und Messsignale waren ausgefallen - und es kam zu einer partiellen Kernschmelze. Dadurch traten große Mengen radioaktiver Gase sowie verseuchten Wassers aus und gelangten ungefiltert in die Luft. In der Umgebung des Atomkraftwerks wurden eine erhöhte Säuglingssterblichkeit und überdurchschnittlich viele Krebsfälle registriert.

Der Unfall ist bis heute der schwerste in einem kommerziellen Reaktor der USA und bestätigte viele Kritiker in ihrem Misstrauen gegenüber der Atomkraft.

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Tschernobyl (Sowjetunion) 1986

Der schlimmste Reaktorunfall in der Geschichte ereignete sich am 26. April 1986 im ukrainischen Tschernobyl. Eine Kernschmelze löste mehrere Explosionen aus, der Reaktorkern wurde freigelegt und ging in Flammen auf, die unmittelbare Umgebung des Kernkraftwerks wurde verstrahlt.

Bereits vier Jahre zuvor war ein Brennstoffkanal zerstört worden und hatte hohe Mengen radioaktiver Substanzen freigesetzt.

Nach dem Super-GAU 1986 wurde um die Anlage ein weiträumiges Sperrgebiet eingerichtet, das Gebiet evakuiert. Die Anzahl der Opfer schwankt bis heute erheblich. Manche Quellen gehen von mehr als 10.000 Todesopfern allein unter den Aufräumarbeitern vor Ort aus. Erkrankungen wie Schilddrüsenkrebs und andere Tumore waren die Folge des Unglücks. Die Auswirkungen des Super-GAUs konnte bis Schweden und andere europäische Länder nachgewiesen werden.

Heute sind alle Reaktoranlagen stillgelegt, der Sarkophag des Reaktors erinnert bis heute an die Katastrophe.

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Tomsk (Russland) 1993

Am 6. April 1993 kommt es in der russischen Wiederaufarbeitungsanlage Tomsk, in der vorwiegend waffenfähiges Plutonium produziert wurde, zu einer Explosion. Dabei werden 250 Kubikmeter radioaktives Gas-Staubgemisch und 500 Gramm Plutonium in die sibirische Steppe geblasen, etwa 100 Quadratkilometer im Gebiet Sewersk radioaktiv verseucht.

Tomsk-7 gilt als der größte Nuklear-Unfall seit Tschernobyl.

Foto: AFP

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Tokaimura (Japan) 1999

Am 30. September 1999 füllten Arbeiter der 130 km nördlich von Tokio gelegenen Wiederaufarbeitungsanlage Tokaimura eine unzulässige Menge Urangemisch in einen Vorbereitungstank, wodurch schließlich Strahlung austrat. Zwischen 30 und 63 Menschen sollen verstrahlt worden sein, etwa 300.000 Anwohner der Kernkraftanlage durften ihre Häuser nicht verlassen.

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Brunsbüttel (Deutschland) 2001

Am 14. Dezember 2001 kommt es im schleswig-holsteinischen Atomkraftwerk Brunsbüttel zu einer Knallgas-Explosion, als eine Rohrleitung in unmittelbarer Nähe des Reaktors zerbarst. Der daraus resultierende Kühlwasserverlust wurde vom Betreiber HEW lediglich als "spontane Leckage" eingestuft. Es folgte ein sicherheitsrechtliches Hin und Her mit der Bundesregierung, der Reaktor konnte erst wieder 2003 in Betrieb genommen werden.

Ein weiterer Zwischenfall 2007 sorgte schließlich für die komplette Abschaltung der Kernkraftanlage. Bereits 1978 waren durch ein Leck im Leitungssystem zwei Tonnen radioaktiver Dampf ausgetreten. Das Kraftwerk wurde damals für mehrere Wochen stillgelegt.

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Forsmark (Schweden) 2006

Ein Kurzschluss außerhalb des ostschwedischen Atomkraftwerks Forsmark führte am 25. Juli 2006 zur Trennung der Anlage vom Stromnetz und zur automatischen Schnellabschaltung des Reaktors. Um die Nachwärme des abgeschalteten Reaktors abzuführen, hätte ein Notkühlsystem automatisch anspringen müssen. Jedoch versagten Teile der Notstromversorgung für das Notkühlsystem. Es trat zwar keine Radioaktivität aus, dennoch wurden im August 2006 vier bauähnliche Atomkraftwerke vorübergehend vom Netz genommen.

Das Bundesumweltministerium schätzte den Störfall als "sicherheitstechnisch ernstes Ereignis" ein.

Foto: dpa

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Versuchsendlager Asse (Niedersachsen) 2008

Im Frühjahr 2008 wurde bekannt, dass an mehreren Stellen im Versuchendlager Asse mit radioaktivem Cäsium belastete Salzlauge aus Behältern ausgetreten und im tiefsten Stollen des ehemaligen Salzbergwerks versickert ist. Dabei räumten die Betreiber ein, dass die Cäsium-Konzentrationen in der Salzlauge die Grenzwerte um bis zum achtfachen Wert überschritten. Im Juni wurden auch Spuren von Strontium, Radium und Plutonium gefunden.

Die Einlagerung von Atommüll im ehemaligen Bergwerk Asse begann 1967. Rund 125.000 Fässer mit schwach- und weitere 1300 Fässer mit mittelradioaktivem Atommüll wurden bis 1978 in die Kammern gebracht .

Foto: ddp

Atomkraftwerk Tricastin, AFP

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Tricastin (Frankreich) 2008

Am 7. Juli 2008 kam es in einer Urananreicherungsanlage auf dem Gelände des französischen Atomkraftwerks Tricastin bei Avignon zu einer Pannenserie, an deren Ende 30.000 Liter einer mit 75 Kilogramm Uran kontaminierten Flüssigkeit ausliefen und zum Teil in Nebenflüsse der Rhône gelangten. Daraufhin wurde verboten, in den anliegenden Flüssen und Bächen zu angeln oder Wasser zu verwenden.

(AFP/dpa/bosw/odg)

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