Stiftung Weltethos Küng ernennt Köhler zum Nachfolger

Hans Küng hat viel Unruhe gestiftet in der katholischen Kirche. Nun gab der Theologe und Papstkritiker bekannt, wer sein Nachfolger als Präsident der Stiftung Weltethos sein wird: der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler.

Seine scharfe Zunge und sein rebellischer Geist haben manchen Papst erzürnt. Hans Küng ist als Kirchen-Rebell und Papst-Kritiker zu einem der bekanntesten Theologen in Deutschland geworden. Zuletzt war jedoch kaum zu übersehen, dass das Alter bei dem 84-Jährigen seinen Tribut forderte. Jetzt macht Küng auch offiziell einen Schnitt: Zu seinem 85. Geburtstag im nächsten Jahr will er sein Lebenswerk, die Stiftung Weltethos, einem Nachfolger übergeben. Der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler soll sein Amt als Stiftungspräsident übernehmen.

Hans Küng (rechts im Bild) gibt die Leitung seiner Stiftung Weltethos an den ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler ab.

(Foto: dpa)

Für die Zuhörer bei seinen Vorträgen war es schon seit einigen Monaten deutlich: Immer häufiger fielen dem sonst so wortgewaltigen Theologen die passenden Begriffe erst nach einigem Nachdenken ein. Seine Schritte zum Rednerpult wurden vorsichtiger. Interviews gab der früher nahezu omnipräsente Küng immer seltener. Den Plan, zu seinem 85. Geburtstag sein Amt als Präsident der Stiftung Weltethos abzugeben, habe er aber schon lange gehabt, sagte Küng am Mittwochabend.

Kurz zuvor hatte seine Stiftung ein weltweit einzigartiges Weltethos-Institut an der Universität Tübingen gegründet. Erstmals werden Wissenschaftler dort ausschließlich an Küngs Idee arbeiten, dass es einen Grundkonsens über Werte und über unverrückbare Maßstäbe gibt, die alle Menschen unabhängig von ihrer Religion und Kultur verbinden. Davon hatte Küng schon lange geträumt - vielleicht, weil er sein geistiges Erbe damit in guten Händen weiß.

Ethische Fragen als wichtigstes Projekt

Denn auch wenn Küng in der Öffentlichkeit vor allem als bissiger Papst-Kritiker wahrgenommen wurde, dem der Vatikan 1979 sogar seine Lehrerlaubnis als katholischer Professor entziehen ließ: Sein theologisch wichtigstes Projekt waren für ihn immer ethische Fragen und der Einsatz für eine Verständigung zwischen den Religionen.

Noch lange nach seinem 80. Geburtstag im Jahr 2008 hatte sich Küng kaum eine Pause gegönnt. Nur im Sommer zog er sich für einige Wochen in seinen Geburtsort Sursee im Schweizer Kanton Luzern zurück. Das restliche Jahr war er teilweise sieben Tage pro Woche auf der ganzen Welt unterwegs zu Kongressen, Vorträgen und Gastvorlesungen. 15 Universitäten verliehen ihm für seinen Einsatz Ehrendoktortitel, die Liste seiner Preise und Auszeichnungen ist mehrere Seiten lang.

2009 machte er sich gemeinsam mit einer Gruppe Intellektueller noch einmal daran, die Weltethos-Idee in die Sprache der Wirtschaft zu übersetzen. Es gehe ihm darum, die Marktwirtschaft auf eine ethische Grundlage zu stellen, betonte er damals. Im vergangenen Jahr erschien dann mit "Ist die Kirche noch zu retten?" Küngs jüngste Streitschrift, in der er mit der römischen Kirche und vor allem seinem früheren Tübinger Professoren-Kollegen Joseph Ratzinger - heute Papst Benedikt XVI. - abrechnet.

Weniger Papst, mehr Jesus

Nur eine radikale Reform könne der Kirche helfen, betonte er: weniger Papst, mehr Jesus. Notfalls müssten die Gläubigen ihre Kirche auch gegen den Willen des Papstes reformieren. Doch schon damals signalisierte der einst so angriffslustige Küng, dass ihn die ewigen Auseinandersetzungen mit der römischen Amtskirche allmählich ermüdeten. In den vergangenen zwei Jahren waren seine Interviews bereits seltener und seine Appelle weniger energisch geworden. Mit Resignation habe das nichts zu tun, betonte er einmal. Aber es gebe ja auch andere wichtige Themen in der Theologie als die Auseinandersetzung mit Rom.

Was Küng vorhat, wenn er nächstes Jahr die Leitung der Stiftung Weltethos an Horst Köhler abgibt, ließ er zunächst offen. Dass er einfach nur Rentner in Tübingen wird, scheint aber schwer vorstellbar.