Stichwahl in Afghanistan:Fünf afghanische Kinder bei Anschlag getötet

Afghan presidential elections run-off

Zahlreiche Sicherheitskräfte sollen Afghanistan während der Stichwahl vor Anschlägen schützen.

(Foto: dpa)

Die Taliban machen ihre Drohung wahr: In Ostafghanistan sind während der Stichwahl für das Präsidentenamt fünf Kinder bei einem Anschlag getötet worden. Doch trotz des Terrors bilden sich vielerorts lange Schlangen vor den Wahllokalen.

Bei einem Raketenangriff in der ostafghanischen Provinz Chost sind während der Stichwahl für das Präsidentenamt fünf Kinder getötet worden. Fünf weitere Menschen seien verletzt worden, als eine Rakete der "Feinde" am Samstagmorgen in einem Wohnhaus eingeschlagen sei, sagte Chosts Vizegouverneur Abdul Wahed Pathan. Die Taliban haben Anschläge und Angriffe bei der Stichwahl angekündigt. Pathan sagte, bis auf den Raketenangriff verlaufe die Wahl in Chost normal. Allerdings seien in einigen Wahllokalen in Chost-Stadt und im Distrikt Tanai die Wahlzettel ausgegangen.

In ganz Afghanistan haben viele Wähler allen Anschlagsdrohungen getrotzt. In der Hauptstadt Kabul und in anderen Städten bildeten sich am Samstagvormittag lange Schlangen vor den Wahllokalen. Aus einigen ländlichen Gegenden berichteten Augenzeugen allerdings, dass Drohungen der Taliban Wähler von der Stimmabgabe abschreckten. Der Chef des EU-Wahlbeobachter-Teams, This Berman, sagte am Samstag, nach seinen Informationen sei die Wahl sehr friedlich verlaufen. Ob Ex-Außenminister Abdullah Abdullah, der die erste Runde gewonnen hatte, auch in der Stichwahl gegen den früheren Weltbank-Experten Aschraf Ghani siegen würde, ließen die wenigen Umfragen offen. Die Wahl gilt als Test, ob dem Land ein demokratischer Machtwechsel gelingt.

Rund zwölf Millionen Wahlberechtigte waren dazu aufgerufen, den Nachfolger von Präsident Hamid Karsai zu bestimmen. "Afghanistan macht einen großen Schritt in Richtung Stabilität und Frieden", sagte Karsai bei der Abgabe seiner Stimme in Kabul. An die Adresse seiner Landsleute sagte er: "Bestimmt Euer eigenes Schicksal und beendet die Abhängigkeit von den Ausländern." Abdullah und Ghani riefen zu einer ehrlichen Wahl mit einem transparenten Ergebnis auf. Ein vorläufiges Wahlergebnis soll am 2. Juli verkündet werden.

Zum Schutz der Wahl waren nach offiziellen Angaben 400 000 Sicherheitskräfte eingesetzt. Der Sprecher der Kabuler Polizei, Haschmat Staniksai, sagte, in der zur Festung ausgebauten Hauptstadt seien am Morgen zwei oder drei ferngezündete Sprengsätze detoniert. Es habe keine Opfer gegeben. Aus den Provinzen Parwan und Ghasni berichteten Augenzeugen und Behörden von Raketenangriffen der Taliban.

Die Taliban teilten am Mittag mit, sie hätten seit Öffnung der Wahllokale 246 Ziele im Land angegriffen. Die Angaben der Aufständischen sind allerdings unzuverlässig und kaum zu überprüfen. Der Chef der Wahlkommission (IEC), Jusuf Nuristani, appellierte an seine Landsleute, "trotz der Herausforderungen bei der Sicherheit zu den Wahllokalen zu gehen und ihr Schicksal zu bestimmen". Die Stichwahl bereitet den Weg für den ersten demokratischen Machtwechsel in der Geschichte des Landes. Karsai durfte nach den Vorgaben der Verfassung nicht ein drittes Mal kandidieren. Er regiert Afghanistan seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001.

© Süddeutsche.de/dpa/beitz
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