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Stichwahl bei Frankreichs Sozialisten:Hollande wird Sarkozy-Herausforderer

François Hollande wird als der sozialistische Herausforderer von Nicolas Sarkozy bei der Präsidentschaftswahl 2012 antreten: Der 57-Jährige setzte sich in der Stichwahl unter den Anhängern der Linken gegen die Parteivorsitzende Martine Aubry durch. Diese räumte ihre Niederlage ein.

François Hollande wird als Spitzenkandidat der französischen Sozialisten in den Präsidentschaftswahlkampf gegen den konservativen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy ziehen. Bei einer Stichwahl unter den Anhängern der Linken setzte sich der frühere Vorsitzende der Sozialistischen Partei am Sonntag klar gegen die derzeitige Parteichefin Martine Aubry durch. Vorläufigen Ergebnissen vom Abend zufolge kam Hollande auf etwa 56 Prozent der Stimmen, Aubry erhielt ungefähr 44 Prozent. Sie räumte ihre Niederlage ein und versicherte, sich fortan mit "all meiner Kraft und Energie" hinter Hollande zu stellen, damit dieser die Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2012 gegen Sarkozy gewinne.

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Präsidentenwahl in Frankreich

Hollande wird Sarkozy-Herausforderer

Der Ex-Parteichef der französischen Sozialisten, Francois Hollande, tritt bei Präsidentenwahl 2012 als Herausforderer von Nicolas Sarkozy an. Holland setzte sich damit gegen seine Gegenkandidatin Aubry durch. Diese räumt ihre Niederlage ein.

Hollande ließ sich am Abend gemeinsam mit Aubry im Hauptquartier der Sozialisten in der Rue de Solférino in Paris feiern. Er sagte, der überzeugende Sieg gebe ihm die nötige Legitimität für den Präsidentschaftswahlkampf. Seine wichtigste Aufgabe sei es, "der französischen Jugend ein besseres Leben als das unsere zu ermöglichen". Daher hätten für ihn als möglichen Präsidenten die Schulen Priorität. Zugleich sagte Hollande, er wisse, dass der Weg zur Präsidentschaft noch sehr hart und weit werde.

Wie schon der erste Wahlgang vor zwei Wochen, stieß auch die Stichwahl auf ein starkes Interesse der Franzosen. Etwa drei Millionen Parteimitglieder der Sozialisten und andere Anhänger der Linken beteiligten sich an der offenen Urwahl. Hollande hatte bereits beim ersten Wahlgang mit 39 Prozent der Stimmen klar vor Aubry gelegen, die auf 30 Prozent gekommen war. Die vier weiteren, ausgeschiedenen Bewerber sprachen sich in den vergangenen Tagen allesamt für Hollande aus. Sie billigten ihm die größeren Fähigkeiten zu, die Sozialisten zu vereinen und Sarkozy zu besiegen.

Der lange Zeit faire Wahlkampf unter den Sozialisten war zuletzt eskaliert. Aubry warf Hollande vor, er sei zu weichlich und inhaltlich zu schwammig, um Sarkozy schlagen zu können. Zudem sei Hollande ein Kandidat des "Systems", der von den Medien womöglich deshalb aufgebaut worden sei, weil er für Sarkozy relativ ungefährlich wäre. Vertraute Hollandes warfen daraufhin Aubry vor, sie agitiere wie die Chefin der Rechtsradikalen, Marine Le Pen. Am Ende musste ein Schiedsgremium die Kontrahenten zur Ordnung rufen.

Der 57 Jahre alte Hollande rief bei der Stimmabgabe die Bürger auf, für ein eindeutiges Ergebnis zu sorgen, um den Sieger zu legitimieren. Die Wähler folgten seinem Wunsch. Am kommenden Wochenende soll er von seiner Partei auf einem Nominierungsparteitag offiziell als Präsidentschaftskandidat ausgerufen werden.

Die erste offene Urwahl der Sozialisten hat die politische Szene Frankreichs über Wochen dominiert. Andere Parteien fanden kaum noch Gehör. Selbst Präsident Sarkozy und seine Versuche, Griechenland und den Euro zu retten, gerieten in den Hintergrund. In der konservativen Regierungspartei UMP entbrannte ein Streit, ob die Rechte künftig auch Urwahlen abhalten sollte.

Der UMP-Parteichef Jean-François Copé bedauerte am Abend im Staatsfernsehen, dass seine Konservativen seit Wochen in den Medien kaum zu Wort gekommen seien. Er versuchte, dies innerhalb einer Sendung nachzuholen. Dabei warf Copé den Sozialisten vor, zerstritten zu sein und in völliger Verblendung der Gegebenheiten das Rentenalter wieder auf 60 Jahre absenken zu wollen. Die UMP kündigte an, diese Woche das Programm der Sozialisten zu sezieren, um so wieder in die Offensive zu kommen. Am Sonntag aber musste sich Hollande darum noch nicht sorgen. Der Mann, der in seiner Partei noch vor einem Jahr als abgeschrieben galt, war der große Sieger - zumindest für einen Abend lang.