Finanzpolitik:Steuereinnahmen sollen deutlich steigen

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Steuerschätzung im Herbst

Zweimal im Jahr präsentieren die Steuerschätzer ihre Prognosen für die Einnahmen der öffentlichen Kassen.

(Foto: Silas Stein/dpa)

179 Milliarden Euro mehr für Bund, Länder und Kommunen bis zum Jahr 2025 - so die Prognose der Steuerschätzer. Das könnte der künftigen Regierung zumindest ein bisschen helfen.

Gute Nachrichten für die Ampel-Parteien in einer schwierigen Phase der Koalitionsverhandlungen: SPD, Grüne und FDP können voraussichtlich mehr Steuereinnahmen verplanen als gedacht. Die Steuerschätzer gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2025 etwa 179 Milliarden Euro mehr in die Kassen von Bund, Ländern und Kommunen fließen, als noch im Mai vorhergesagt.

"Die nächste Bundesregierung kann auf einer soliden Haushalts- und Finanzpolitik aufbauen", sagte Olaf Scholz (SPD), der geschäftsführende Bundesfinanzminister und mögliche künftige Kanzler. Allein der Bund wird nach der Experten-Prognose in diesem Jahr 11,7 Milliarden Euro mehr einnehmen, als man zunächst erwartete. Insgesamt können dann 305,4 Milliarden verplant werden. In den Folgejahren soll es ähnlich gut weitergehen: Zwischen 2021 und 2025 werden pro Jahr im Durchschnitt mehr als 14 Milliarden Euro zusätzlich in den Bundeshaushalt fließen. Bei den Ländern fällt das Plus sogar noch höher aus.

Grund für den Optimismus gibt vor allem der erwartete wirtschaftliche Aufschwung nach Ende des Pandemie-Tiefs. Die Erholung kommt - gedämpft durch Lieferengpässe und Corona-Folge - zwar nicht so voran, wie die Bundesregierung zunächst erwartet hatte. Im kommenden Jahr wird die Wirtschaft laut Herbstprognose aber deutlich an Fahrt gewinnen. Auch die sogenannten Wirtschaftsweisen, ein Beratergremium der Bundesregierung, rechnen damit, dass sich privater Konsum und Industrieproduktion dann wieder normalisieren.

Wegen der Pandemie schwingt bei den Steuerschätzungen seit dem vergangenen Jahr allerdings mehr Unsicherheit mit als früher. Es ist kaum vorhersehbar, ob weitere Infektionswellen Wirtschaft und Konsum noch einmal ausbremsen, wie das Virus mutiert und ob die Impfquoten steigen wie gewünscht. Die optimistische Prognose gibt SPD, Grünen und FDP aber erst einmal mehr Spielraum in den laufenden Verhandlungen über einen Koalitionsvertrag: Möglicherweise kann man sich das ein oder andere umkämpfte Projekt nun doch leisten.

SPD, Grüne und FDP wollen 50 Milliarden Euro zusätzlich investieren - pro Jahr

Das grundlegende Finanzproblem der Ampel aber lösen Mehreinnahmen in der erwarteten Größenordnung kaum. 50 Milliarden Euro sollen pro Jahr zusätzlich in Klimaschutz, Digitalisierung und Bildung investiert werden - mit Schuldenbremse und ohne nennenswerte Steuern zu erhöhen. Die Verhandler ringen daher um Wege, mehr Mittel zu mobilisieren, etwa über die Förderbank KfW, über öffentliche Unternehmen oder Investitionsgesellschaften.

Diese Gesellschaften und Unternehmen zählen nicht zum Kernhaushalt des Bundes, dürfen also Kredite aufnehmen. So könnte etwa eine Fernstraßengesellschaft Geld leihen und das Straßennetz sanieren. Selbst die "Wirtschaftsweisen" waren zuletzt unterschiedlicher Meinung darüber, ob eine solche Umgehung der Schuldenbremse sinnvoll ist oder nicht.

Fest steht: In den vergangenen Jahren hat die Corona-Krise ein tiefes Loch in die Staatshaushalte gerissen. 2020 und 2021 genehmigte sich der Bund neue Schulden von mehr als 370 Milliarden Euro. Nach vorläufigen Plänen könnten auch im kommenden Jahr mit ausgesetzter Schuldenbremse noch einmal fast 100 Milliarden Euro Kredite aufgenommen werden. Gerade warnte der Bundesrechnungshof, der Schuldenberg des Bundes drohe bis Ende 2022 auf nahezu 1,5 Billionen Euro anzusteigen. "Der Bund hat seinen finanziellen Spielraum damit ausgereizt", hieß es.

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