NahostSteinmeier: Iran-Krieg ist „völkerrechtswidrig“

Die Begründung Trumps, dass Iran unmittelbar davor gestanden habe, die USA anzugreifen, lässt der Bundespräsident nicht gelten. Der Krieg sei ein „politisch verhängnisvoller Fehler“.

Alle Entwicklungen im Liveblog

Dieser Liveblog ist archiviert. Weitere Nachrichten unter sueddeutsche.de/thema/Iran

Wichtige Updates
Wieder Zwischenfälle in Libanon trotz Waffenruhe
Bericht: Iran lehnt zweite Verhandlungsrunde mit USA ab
US-Delegation um J. D. Vance reist für Verhandlungen nach Islamabad
Iran: Weiter Differenzen bei Verhandlungen mit den USA  
Trump: Iran kann uns nicht mit Straße von Hormus erpressen

US-Militär hat iranischen Frachter geentert

Das US-Militär hat Präsident Donald Trump zufolge die Kontrolle über ein iranisches Schiff übernommen, das die Blockade der iranischen Häfen brechen wollte. Man habe den Frachter Touska im Golf von Oman zum Anhalten aufgefordert. Nachdem dieser Aufforderung nicht gefolgt wurde, habe man das Schiff gestoppt, indem das US-Kriegsschiff USS Spruance ein Loch in den Maschinenraum des Frachters geschossen habe, schreibt Trump auf seinem Kurznachrichtendienst Truth Social.

Wie das US-Regionalkommando Centcom mitteilte, war das Schiff auf dem Weg in die iranische Küstenstadt Bandar Abbas in der Straße von Hormus. Die USS Spruance habe die Besatzung aufgefordert, den Maschinenraum zu räumen, und setzte dann mit mehreren Schüssen den Schiffsantrieb außer Gefecht, wie Centcom weiter mitteilte. 

Trumps Post zufolge ist der Frachter etwa 270 Meter lang. Er stehe wegen illegaler Aktivitäten auf der Sanktionsliste der USA. Aktuell werde geprüft, was sich an Bord befinde.

Iran ​wirft ​den USA die ‌Verletzung der Waffenruhe durch ‌den Beschuss eines iranischen Handelsschiffes im ​Golf von ​Oman vor. Das ​oberste gemeinsame Militärkommando kündigt Vergeltung für die "Piraterie" ‌an, wie staatliche Medien berichten. Das ‌Schiff sei ‌auf dem Weg ​von China nach Iran gewesen. Nach dem ‌US-Angriff hätten iranische Streitkräfte einige amerikanische Kriegsschiffe mit Drohnen attackiert. 

Israelischer Soldat beschädigt Jesus-Figur in Südlibanon, Außenminister entschuldigt sich

Die israelische Armee hat bestätigt, dass einer ihrer Soldaten in Südlibanon eine Jesus-Figur mit einem Hammer beschädigt hat. Man nehme den Vorfall äußerst ernst, teilte die Armee auf X mit. Das Verhalten des Soldaten sei „in keiner Weise mit den Werten vereinbar, die von Soldaten erwartet würden“.

Ein am Sonntag veröffentlichtes Foto zeigt einen Mann in israelischer Armeeuniform, der mit einem Hammer auf eine vom Kreuz gefallene Christus-Figur einschlägt. Gegen die Beteiligten würden angemessene Maßnahmen ergriffen, hieß es weiter. Zudem wolle man die Gemeinde bei der Wiederherstellung des Kruzifixes unterstützen. Rund jeder dritte Libanese ist Christ.

Israels Außenminister Gideon Saar entschuldigte sich angesichts des Vorfalls bei allen Christen, deren Gefühle verletzt worden seien. Er sprach von einer „beschämenden Handlung“, die Israels Werten widerspreche.

Israel ist ein Land, das die verschiedenen Religionen und ihre heiligen Symbole respektiert und Toleranz und Respekt zwischen den Glaubensrichtungen hochhält.
Israels Außenminister Gideon Saar auf X
Saar äußerte sich zuversichtlich, dass gegen die Beteiligten „strenge Maßnahmen“ ergriffen würden. Details nannte er dazu zunächst nicht. 

Der Vorfall ereignete sich während einer von US-Präsident Donald Trump am Donnerstag verkündeten zehntägigen Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte erklärt, die israelische Armee solle in einer „verstärkten Sicherheitszone“ in Südlibanon verbleiben. Die Armee betonte, sie habe keine Absicht, zivile oder religiöse Infrastruktur zu beschädigen. 

Iran: Aktuell keine Verhandlungen mit den USA geplant 

Iran hat eigenen Angaben zufolge noch keine Entscheidung über weitere Verhandlungen mit den USA getroffen. „In dieser Hinsicht wurde keine Entscheidung getroffen“, sagte Außenamtssprecher Ismail Baghai bei einer Pressekonferenz in Teheran. Aktuell sei keine weitere Verhandlungsrunde geplant.

Kurz vor dem Auslaufen der Feuerpause im Iran-Krieg am Mittwoch hatte US-Präsident Donald Trump seine Bereitschaft zu neuen Verhandlungen angekündigt. Seine Vertreter werden am Montagabend in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad eintreffen. Die iranische Führung lehnt unterdessen laut einem Bericht der Staatsagentur Irna ein weiteres Treffen mit US-Vertretern ab. 

Außenhandel Deutschlands mit Iran geht zurück

Der Außenhandel mit Iran ist im vergangenen Jahr weiter zurückgegangen. Die Exporte sanken vom Vorjahr um ein knappes Viertel auf 961,6 Millionen Euro, berichtet das Statistische Bundesamt. Ausgeführt wurden vor allem Maschinen, pharmazeutische und chemische Erzeugnisse.

Umgekehrt kamen aus Iran Importe im Wert von 234,5 Millionen Euro, eine leichte Steigerung um 1,7 Prozent zum Vorjahr. Fast zwei Drittel der Einfuhren waren Nahrungsmittel mit Pistazien an der Spitze. Darauf folgten pharmazeutische Erzeugnisse und Textilien wie etwa Teppiche.

Damit liegt Iran auf der Liste der wichtigsten Handelspartner auf Rang 72. Vor dem Inkrafttreten umfassender US-Sanktionen im Jahr 2018 war es noch der 51. Platz gewesen. Im Vergleich zum Jahr 2018 sind die Exporte um 64,3 Prozent und die Importe um 46,8 Prozent zurückgegangen. Im Vorfeld des aktuellen Konflikts sind die Exporte noch einmal deutlich weniger geworden.

Wieder Zwischenfälle in Libanon trotz Waffenruhe

Israels Armee hat eigenen Angaben zufolge trotz der Waffenruhe in Libanon in der Nacht eine Raketenabschussrampe im Süden des Nachbarlandes angegriffen. Diese sei feuerbereit und eine „direkte Bedrohung für die Ortschaften in Nordisrael“ und für Soldaten gewesen, teilte das israelische Militär mit.

Die Armee werde sich weiterhin gegen Gefahren verteidigen und Sicherheit für israelische Zivilisten und Soldaten gewährleisten, hieß es in einer Erklärung.

Laut der vom US-Außenministerium veröffentlichten Waffenruhe-Vereinbarung zwischen Israel und Libanon darf Israel alle notwendigen Maßnahmen zur Selbstverteidigung gegen geplante, unmittelbar bevorstehende oder andauernde Angriffe ergreifen. Die Feuerpause war in der Nacht zum Freitag nach mehr als sechs Wochen Krieg zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz in Libanon in Kraft getreten.

Israelische Soldaten sind weiterhin in Südlibanon stationiert. Das Land spricht von einer sogenannten „Sicherheitszone“, um Nordisrael vor Angriffen der Hisbollah zu schützen. Die Raketenabschussrampe habe sich weiter nördlich davon befunden. Vertriebene Libanesen können derzeit nicht in die Gegend zurückkehren.

Die Hisbollah verkündete, gepanzerte Fahrzeuge der israelischen Armee seien in der Nacht von Sprengsätzen getroffen worden, die die von Iran unterstützte Miliz zu einem früheren Zeitpunkt in der Gegend platziert habe. Israels Armee erklärte auf Anfrage, sie gehe dem nach.
Israelische Soldaten fahren an einem zerstörten Haus in Südlibanon vorbei.
Israelische Soldaten fahren an einem zerstörten Haus in Südlibanon vorbei. Foto: Ariel Schalit/AP/dpa

Größter Preisanstieg bei Öl in der Geschichte

Der Iran-Krieg und die Schließung der Straße von Hormus haben den Ölmarkt massiv beeinflusst. In ihrem am Montagmorgen veröffentlichten Ölreport schreibt die in Paris ansässige Internationale Energieagentur (IEA), dass es noch nie in der Geschichte so große Versorgungsengpässe gegeben hat. Das weltweite Ölangebot brach im März um 10,1 Millionen Barrel auf 97 Millionen Barrel pro Tag ein. Die Produktion in den Opec-Staaten sank im Monatsvergleich um 9,4 Millionen Barrel. Deshalb wurde auf Ölreserven zurückgegriffen, die im März global um 85 Millionen Barrel sanken.

All das merkten die Verbraucher vor allem durch einen massiven Anstieg der Preise. „Die Ölpreise verzeichneten im März nach dem schwersten Ölangebotsschock der Geschichte ihren größten monatlichen Anstieg aller Zeiten“, heißt es in dem IEA-Bericht. Die Rohölpreise pro Barrel hätten sich im Vergleich zum Vorkriegsniveau mehr als verdoppelt. 

Es wird mit einem längerfristigen Rückgang der Ölnachfrage gerechnet. Die IEA-Prognosen gehen von einer Reduktion um 1,5 Millionen Barrel pro Tag im zweiten Quartal 2026 aus – das wäre die stärkste seit Beginn der Covid-19-Pandemie und dem damit einhergehenden Einbruch des Kraftstoffverbrauchs. Bisher sind die größten Einbrüche im Ölverbrauch im Nahen Osten und im asiatisch-pazifischen Raum zu verzeichnen. Der Nachfrageeinbruch wird sich jedoch aufgrund anhaltender Knappheit und höherer Preise weiter ausbreiten, prognostiziert die IEA.

Ölpreise ziehen kräftig an 

Die ​erneute Schließung der Straße von Hormus treibt die Ölpreise ⁠am Montag um mehr als sieben Prozent in die Höhe. Ein Barrel (159 Liter) ​der Nordseesorte ​Brent verteuert sich um 7,26 ‌Prozent auf 96,94 Dollar. Der ‌Preis für US-Leichtöl WTI steigt um 7,24 Prozent auf 89,92 Dollar. Die ​USA und Iran werfen sich gegenseitig ​vor, durch Angriffe auf Schiffe gegen eine Waffenruhe verstoßen zu haben. Am Freitag waren die Ölpreise ‌noch um mehr als neun Prozent gefallen.

Bericht: Iran lehnt zweite Verhandlungsrunde mit USA ab

Die iranische Führung lehnt laut einem Bericht der Staatsagentur Irna ein zweites Treffen mit US-Vertretern ab. Zur Begründung hieß es am Sonntagabend, übertriebene Forderungen der USA, deren ständige Kurswechsel und die fortgesetzte Seeblockade iranischer Häfen böten "keine aussichtsreiche Perspektive für seriöse Verhandlungen". Außerdem seien die Berichte über eine zweite Verhandlungsrunde in Pakistan kommende Woche Teil einer amerikanischen Medienkampagne, um mit Schuldzuweisungen noch mehr Druck auf Teheran auszuüben.
Präsident Massud Peseschkian warf den USA Vertragsbruch vor. "Die fortgesetzten provokanten und illegalen Handlungen der USA" im Rahmen der Seeblockade gegen Iran stellten einen klaren Verstoß gegen die Waffenruhe dar, sagte Peseschkian laut seiner Homepage in einem Telefonat mit dem pakistanischen Premierminister Shehbaz Sharif. Solche Maßnahmen sowie die Drohungen von US-Präsident Donald Trump vertieften das Misstrauen. Man sei entschlossen, das Land gegen "erneutes Abenteurertum" der USA und Israels konsequent zu verteidigen.
Auch die iranische Nachrichtenagentur Tasnim hatte unter Berufung auf eine informierte Quelle gemeldet, solange die US-Marine weiter an ihrer Seeblockade vor der Straße von Hormus festhalte, werde es keine Verhandlungen geben. In den vergangenen Tagen seien jedoch unter Vermittlung des Nachbarlands Pakistan Nachrichten ausgetauscht worden.

Israel veröffentlicht Karte besetzter Gebiete in Libanon

Die israelische Armee veröffentlicht erstmals eine Karte ihrer neuen Stationierungslinie in Libanon. Innerhalb dieses Gebiets kontrolliert das Militär demnach Dutzende größtenteils verlassene Dörfer. Die Linie reicht fünf bis zehn Kilometer tief in libanesisches Gebiet hinein, wo Israel eine Pufferzone zum Schutz von Ortschaften in Nordisrael einrichten will. Fünf Divisionen und die Marine seien im Einsatz, um Einrichtungen der Hisbollah-Miliz zu zerstören, teilt das Militär mit. Stellungnahmen der libanesischen Regierung oder der vom Iran unterstützten Hisbollah liegen zunächst nicht vor. In Libanon war vor wenigen Tagen eine von den USA vermittelte Feuerpause in Kraft getreten.

US-Delegation um J. D. Vance reist für Verhandlungen nach Islamabad

Im Konflikt mit Iran reist wieder eine Delegation aus Washington für Verhandlungen in die pakistanische Hauptstadt Islamabad. Das Weiße Haus teilt mit, dass unter anderem US-Vizepräsident J. D. Vance sowie Steve Witkoff und Jared Kushner nach Pakistan fliegen werden. Seine Vertreter würden am Montagabend dort sein, schrieb US-Präsident Donald Trump auf der Plattform Truth Social ohne Angaben zur Zeitzone zu machen.

Die USA böten eine sehr faire und ​vernünftige Vereinbarung an, so der US-Präsident. Sollte Iran diese nicht annehmen, würden die USA jedes einzelne Kraftwerk und jede einzelne Brücke in dem Land zerstören, erklärt Trump. Auch die erste Runde der Verhandlungen hatte in Islamabad stattgefunden, die Gespräche hatten ohne konkrete Ergebnisse geendet.

Wie sich Islamabad auf die Verhandlungen vorbereitet und welche eigenen Interessen Pakistans Führung verfolgt, hat SZ-Politikredakteur Tobias Matern aufgeschrieben:

Proteste in Nordisrael gegen Waffenruhe in Libanon

„Das ist kein vollständiger Sieg – das ist eine Abkehr von den Bewohnern des Nordens!“ So schreibt Avichai Stern, Bürgermeister von Kiriat Schmona, in einer Mitteilung über die Waffenruhe. Die Stadt ist die größte im Norden Israels, sie liegt an der Grenze zu Libanon. Und ihre Bewohner befürworten die zehntägige Waffenruhe im Konflikt mit der libanesischen Hisbollah-Miliz offenbar nicht. Aus Protest dagegen sind sie in den Streik getreten. Die Stadtverwaltung und das Bildungssystem in Kiriat Schmona blieben heute geschlossen, berichtete der israelische Sender Kan. Auch in Jerusalem waren Proteste von Repräsentanten der Stadt geplant.

Wie andere Einwohner des israelischen Nordens fordern auch Vertreter von Kiriat Schmona eine vollständige Entwaffnung der Hisbollah und besseren Raketenschutz in dem Grenzort. Dies gelte besonders für Schulen und Kindergärten. Die Stadt war während des jüngsten Kriegs immer wieder von der Hisbollah beschossen worden. Bürgermeister Stern sprach von einer „gefährlichen Waffenruhe“, auf Kosten der Sicherheit der Einwohner des israelischen Nordens. Seit Beginn des Gaza-Kriegs vor zweieinhalb Jahren, in den auch die Hisbollah eingestiegen war, haben viele der rund 24 000 Einwohner Kiriat Schmona verlassen.

Iran: Weiter Differenzen bei Verhandlungen mit den USA 

 Bei den Friedensverhandlungen zwischen Iran und den USA bestehen nach Angaben aus Teheran weiter große Differenzen. Man habe zwar Fortschritte erzielt, doch gebe es weiterhin eine erhebliche Kluft zwischen den beiden Staaten, erklärte Irans Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf in einem Interview der staatlichen Nachrichtenagentur Tasnim. Einige Streitpunkte seien zwar gelöst worden, andere Punkte blieben jedoch ungeklärt. Man sei noch „weit von einer endgültigen Einigung entfernt“.

Sein Land kontrolliere den gesamten Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, sagte Ghalibaf in dem am Morgen im iranischen Staatsfernsehen ausgestrahlten Interview. Kurz zuvor hatte Iran die angekündigte Öffnung der für den globalen Ölmarkt wichtigen Meerenge wieder rückgängig gemacht und geht seither dort militärisch gegen Schiffe vor. Die Entscheidung der USA, eine Blockade zu verhängen, sei töricht und ignorant gewesen, sagte Ghalibaf.

„Wenn die Blockade nicht aufgehoben wird, wird der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus zweifellos eingeschränkt sein“, sagte er. Daran bestehe kein Zweifel. Zuvor hatte bereits ein Sprecher des Hauptquartiers der Streitkräfte laut Nachrichtenagentur Fars die anhaltende Blockade iranischer Häfen durch die USA als Grund für die erneute Schließung der Meerenge genannt – keine 24 Stunden nach Ankündigung der Öffnung für die Schifffahrt.

Die Meerenge unterliege der strengen Verwaltung und Kontrolle der Streitkräfte, hieß es. Das US-Militär teilte seinerseits mit, weiter gegen Schiffe vorzugehen, die iranische Häfen anlaufen oder von dort ablegen wollen. 

Guterres fordert Stopp von Angriffen auf UN-Blauhelme 

Nach dem Tod eines französischen Soldaten der UN-Mission Unifil in Libanon fordert UN-Generalsekretär António Guterres einen Stopp von Angriffen auf Blauhelm-Soldaten. „Alle Akteure werden dringend aufgefordert, die Einstellung der Feindseligkeiten zu respektieren und das Feuer einzustellen“, sagte Guterres seinem Sprecher Stéphane Dujarric zufolge in New York. Solche Angriffe stellten schwerwiegende Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht dar und könnten Kriegsverbrechen gleichkommen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte den Tod des Soldaten am Samstag bestätigt und mitgeteilt, drei weitere Kameraden seien verwundet worden. 

Hisbollah-Chef: bleiben trotz Waffenruhe einsatzbereit 

Der Chef der libanesischen Hisbollah-Miliz sieht die zwischen Israel und Libanon vereinbarte Waffenruhe als Erfolg seiner Schiiten-Organisation. Die Feuerpause wäre nicht ohne den Kampf seiner Miliz im Südlibanon erreicht worden, sagte Naim Kassim laut einer am Abend veröffentlichten Mitteilung. Kurz nach Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar hatten sich auch die von Iran unterstützte Hisbollah und Israels Militär erneut Kämpfe geliefert. In der Nacht zum Freitag trat die Waffenruhe in Kraft. Die libanesische Regierung und ihre Armee sind dabei selbst nicht Konfliktpartei.

Eine Waffenruhe bedeute die vollständige Einstellung aller Feindseligkeiten, sagte der Hisbollah-Chef laut Mitteilung. Da man dem Feind aber nicht traue, würden die Kämpfer seiner Miliz mit den Händen am Abzug im Einsatz bleiben und auf Verstöße entsprechend reagieren, hieß es. Als nächste Schritte – mit Blick auf einen dauerhaften Frieden – führte Kassim die Einstellung der Angriffe seitens Israels und einen Abzug von dessen Truppen aus Libanon an.

Kassim zufolge sei die Hisbollah „vollständig bereit zur Zusammenarbeit mit den libanesischen Behörden in einem neuen Kapitel, das auf der Verwirklichung der libanesischen Souveränität beruht“. Die libanesische Regierung hatte lange Zeit wenig bis gar keinen Einfluss auf die Aktivitäten der Hisbollah-Miliz, hat den Druck unter Führung von Präsident Joseph Aoun aber erhöht. Die Regierung in Beirut hatte sich bereits nach der Waffenruhe 2024 zu einer Entwaffnung der Miliz verpflichtet. Der Prozess geht aber nur langsam voran.

Bundesregierung verurteilt tödlichen Angriff auf Unifil-Mission

Die Bundesregierung hat den tödlichen Angriff auf die UNIFIL-Truppe in Libanon „aufs Schärfste“ verurteilt. Die Sicherheit der UN-Blauhelme müsse jederzeit gewährleistet werden und „die Verantwortlichen für den Angriff müssen zur Rechenschaft gezogen werden“, forderte das Auswärtige Amt auf der Plattform X. Zudem forderte die Bundesregierung, dass die proiranische Hisbollah in Libanon ihre Waffen niederlegen müsse. 
Hintergrund ist der Tod eines französischen Soldaten im Libanon. Er war während seines Einsatzes bei der UN-Mission Unifil getötet worden. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bestätigte den Tod des Soldaten auf der Plattform X und teilte mit, dass drei weitere Kameraden verwundet und in Sicherheit gebracht worden seien. Alles deute darauf hin, dass die Hisbollah für den Angriff verantwortlich sei, schrieb Macron. Die mit Iran verbündete Hisbollah-Miliz wies jegliche Verantwortung für den Vorfall von sich. Das libanesische Außenministerium versprach in einer Mitteilung eine gründliche Untersuchung des Vorfalls durch die libanesischen Behörden.

Die Blauhelme der Unifil überwachen seit 1978 das Grenzgebiet zwischen Israel und Libanon. Immer wieder gab es dabei auch in ihren Reihen Tote und Verletzte. Vor einigen Wochen wurden zwei indonesische Soldaten der Mission bei einer Explosion getötet. 
© SZ/dpa/Reuters/KNA/epd/Bloomberg - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

SZ Stellenmarkt
:Entdecken Sie attraktive Jobs

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: