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Bundespräsident im Urlaub:Steinmeier bedauert Verstoß gegen Hygiene-Regeln

Bundespräsident ohne Abstand und Maske - Frank-Walter Steinmeier in Südtirol.

(Foto: LPA Südtirol)

"Fünf Sekunden Unaufmerksamkeit, die ich mir selbst vorwerfe" - der Bundespräsident entschuldigt sich dafür, bei einem Foto im Südtirol-Urlaub weder den Abstand eingehalten noch eine Maske getragen zu haben.

Von Nico Fried, Berlin

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat einen Verstoß gegen die Hygiene-Regeln wegen der Corona-Pandemie eingeräumt und bedauert. "In meinem Urlaub bin ich beim Verlassen einer Bergalm dem spontanen Wunsch nach einem gemeinsamen Foto an der frischen Luft nachgekommen", sagte Steinmeier am Freitag der Süddeutschen Zeitung. Dabei sei die Abstandsregel nicht eingehalten worden. "Fünf Sekunden Unaufmerksamkeit, die ich mir selbst vorwerfe und die nicht hätte passieren dürfen", sagte Steinmeier. "Das tut mir leid", so der Bundespräsident.

Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender hatten sich schon vor zweieinhalb Wochen während des Urlaubs in Südtirol am Ende einer Wanderung mit Landeshauptmann Arno Kompatscher und dessen Gattin zum Abendessen auf einer Alm getroffen. Das Amt des Landeshauptmanns der autonomen Provinz Bozen entspricht in etwa dem eines Ministerpräsidenten in Deutschland. Dabei saß die Gruppe auf der Terrasse. Zur Erinnerung entstand am Ende das Foto, auf dem der in Südtirol geltende Schutzabstand von einem Meter nicht eingehalten wird, aber auch niemand eine Maske trägt. Das Foto soll in Eile entstanden sein, weil die Gruppe wegen des aufziehenden Regens zügig ins Tal zurückkehren wollte.

In Südtirol liegt der empfohlene Abstand im Freien bei einem Meter

Das Foto war zunächst am Morgen des 29. Juli auf der Website der Neuen Südtiroler Tageszeitung erschienen. Im dazugehörigen Text hatte Kompatscher sich entschuldigt. "Das war gedankenlos und nicht vorbildhaft" sagte er der Zeitung. "Asche auf mein Haupt, wir sind auch Menschen." In Südtirol liegt der empfohlene Abstand im Freien bei nur einem Meter. "Ich ärgere über mich selbst, weil wir vorher am Tisch alle eine Maske getragen haben und dabei auch über die Sicherheitsbestimmungen gesprochen haben" berichtete der Landeshauptmann. Dabei habe Steinmeier gesagt, dass in Bozen eine größere Disziplin herrsche als in Berlin.

Steinmeier reagierte dann am vergangenen Montag in einer Video-Botschaft auf die Demonstration von Kritikern der deutschen Corona-Politik in Berlin und kritisierte die Verstöße gegen die Hygiene-Regeln: "Die Verantwortungslosigkeit einiger Weniger ist ein Risiko für uns alle", sagte Steinmeier. "Wenn wir jetzt nicht besonders vorsichtig sind, dann gefährden wir die Gesundheit vieler."

Am vergangenen Mittwoch erklärte das Bundespräsidialamt bereits auf Anfrage, grundsätzlich achte der Bundespräsident auch im Urlaub darauf, die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. An Orten, an denen das nicht möglich sei, trage er eine Mund-Nasen-Bedeckung. Das Präsidialamt räumte jedoch ein, das Foto, das spontan an der frischen Luft entstanden sei, zeige, dass dies "nicht immer ideal klappt".

© SZ/mane

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