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Steinbrück überraschend Wahlkampfhelfer:Quasi-Kanzler aus Idar-Oberstein

Ein Schüler aus Idar-Oberstein hat sich einen Wahlkampfhelfer von besonderem Format besorgt. Womöglich hat der jetzt sogar bessere Chancen, Schülersprecher zu werden, als der andere, die Kanzlerwahl zu gewinnen.

Als ich mal Schülersprecher wurde, da ging das so: Alle Schüler in die Aula, ich habe eine vernuschelte Rede gehalten, die mit dem Satz endete "Na ja, ihr wählt mich ja sowieso, weil ja kein anderer kandidiert" und, o Wunder, ich wurde gewählt. Wahlkampf war nicht.

Schade eigentlich. Vielleicht hätte ich wie der 17-jährige Moritz Forster aus Idar-Oberstein prominente Unterstützung bekommen, wäre berühmt geworden und hätte einen ungleich glänzenderen Sieg eingefahren, als diese konkurrenzlose Abstimmung damals Anfang der 90er-Jahre im tiefen Westfalen.

Forster will Schülersprecher an seinem Gymnasium an der Heinzenwies werden. Er hat eine eigene Kampagnenseite auf Facebook, er hat Plakate, die an US-Wahlen erinnern ("Er hat Großes vor"). Und er hat einen Wahlwerbespot gedreht. Und zwar so, wie große Wahlkämpfer das auch machen. Und um Längen besser als das, was einem sonst die Partei Bibeltreuer Christen und andere Splittergruppen anzudrehen versuchen. Klare Botschaft: Moritz Förster muss Schülersprecher werden.

Für den Spot hat er einen Unterstützer gefunden, der eigentlich selbst gerade jeden Unterstützer brauchen kann. Den Kanzlerkandidaten der SPD: Peer Steinbrück. Moritz Forster hat ihn bei einem Wahlkampfauftritt in der Fußgängerzone von Oberstein offenbar so hartnäckig bequatscht, bis der sich gut gelaunt zu einer Lobeshymne auf den Kandidaten hinreißen ließ.

Phänotopisch ein JuLi oder von der JU

Eine Sequenz daraus hat Moritz für die überraschende Schlusspointe seines Werbespots verwendet. Dass ein Sozialdemokrat Forsters Wahlhelfer ist, ist übrigens auch deshalb bemerkenswert, weil Forster in dem Spot phänotypisch eher dem Standardmodell eines Mitgliedes der Jungen Liberalen oder der Jungen Union ähnelt: gegelte Haare, blaues Hemd mit weiß abgesetztem Kragen und Manschetten und eine Tolle auf dem Kopf, als wäre "Fön" sein Nachname.

Wird Forster jetzt Schülersprecher, dann sei er "quasi euer Bundeskanzler", sagt Steinbrück. Das entscheidet sich aber erst kommenden Mittwoch. Steinbrück ist eineinhalb Wochen später dran, am 22. September. Moritz Forster bleibt nach diesem Auftritt zu wünschen, dass seine Chancen besser stehen, als die von Steinbrück. Oder doch nicht? Das soll jetzt hier nicht in verdeckte Wahlwerbung ausarten.